Ho-Chi-Minh-Stadt im Bruchteil der Sekunden

Einer der Vorteile am Alleinreisen: Ich kann ewig irgendwo herumstehen und fotografieren, ohne dass jemand sagt: „Können wir jetzt bitte weitergehen?“. Oder: „Bist du bescheuert? Komm da weg!“

Und so lief ich in Ho Chi Minh City eine Straße entlang und sah, als ich mich umdrehte, dass die untergehende Sonne genau auf der richtigen Höhe stand, um das typische vietnamesische Verkehrschaos beim Sonnenuntergang einzufangen. Ich nahm meine Kamera, stellte mich auf die Straße, darauf vertrauend, dass mich niemand umfährt, und drückte durchgehend auf den Auslöser.

Zahlreiche Minuten habe ich so dagestanden, während die Sonne ihr perfektes Licht für einen kurzen Moment auf die Straße warf, langsam hinter den Häusern verschwand und dabei etliche Menschen meinen Weg kreuzten. Bis ich schließlich das Foto von dem kleinen Jungen auf dem Motorbike schoss, der ein Messer in der Hand hält. So sah es zumindest auf dem Kamera-Display aus. Doch beim Heranzoomen erkennt man, dass das nicht stimmt. Aber was er da genau festhält, weiß ich nicht.

Ich weiß nichts über ihn, genauso wie bei allen anderen Menschen, die genau in dem Bruchteil der Sekunde im Bild waren, als sich die Verschlusskappe meiner Kamera schloss. Wer sind sie, was haben sie für ein Leben, wo kamen sie her und wo wollten sie hin? Ich kann ihre Geschichte nicht erzählen, kann sie nur Teil dieser Fotoserie werden lassen, die ohne sie gar nicht funktionieren würde.

 

 

(c) Eva Fischer, Ho-Chi-Minh-Stadt, Vietnam

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16 Gedanken zu “Ho-Chi-Minh-Stadt im Bruchteil der Sekunden

  1. Oh ja, der Verkehr in Asien. Den kenne ich auch sehr gut.
    Dein Foto gefällt mir sehr gut, der Moment ist super eingefangen. Und deine Geschichte zur Entstehung mag ich ebenso. Das mag ich ebenfalls am alleine unterwegs sein. Man muss auf niemanden Rücksicht nehmen (also im Bezug auf Planung und Co.).

    ♥️
    Michelle

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  2. Welch ein Trubel. Erinnert mich etwas an den Times Square, auch wenn da natürlich mehr Autos und weniger Motorräder unterwegs sind. Respekt, dass du einfach allein nach Ho.Chi-Minh Stadt reist.

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  3. Deine Bilder sind toll und du hast es klasse eingefangen. Alleine reisen wäre für mich nichts, zum Glück ist da mein Verlobter ganz entspannt und macht für mich auch viele Fotos 🙂 schönen Abend Lg Melissa

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  4. Toll hast Du die Stimmung eingefangen. Ich kann den hektischen Lärm drumherum förmlich hören. Und Du hast komplett recht. Allein reisen hat irre viele Vorteile, weshalb auch ich eigentlich immer alleine reise. Ich liebe es nicht nur wegen des Fotografierens.
    LG Renate von http://www.trippics.de

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  5. Was für tolle Fotos! Ich liebe es auch allein zu reisen und mir die Zeit zum Fotografieren zu nehmen. Deine Bilder fangen die Atmosphäre wahnsinnig gut ein! Ach, und Menschen beobachte ich auch gerne, was gerade in Menschenmassen noch besser funktioniert.

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    1. Stimmt, und wenn man alleine reist, kann man sich einfach irgendwo hinsetzen und alles um sich beobachten, ohne von einem Gesprächspartner abgelenkt zu werden 😁

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  6. Die Kultur toll eingefangen. Im Gegensatz zu den kommentierenden vor mir finde ich es toll, wie es da zugeht. Das macht doch Asien aus. Pulsierend, laut chaotisch und einfach anders. Wer’s nicht kapiert, bleibt besser in Bochum 🤪👍

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    1. Haha, das stimmt, Asien ist einfach eine andere Welt als Europa und unter anderem deshalb so unglaublich faszinierend. Allerdings fand ich es auch interessant zu sehen, dass Japan und Vietnam kaum Gemeinsamkeiten haben und von uns doch unter einer Asien-Vorstellung zusammengefasst werden

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  7. Wahnsinn … da würde ich ungern selbst unterwegs sein! Nicht mal als Beifahrer! Das Bild mit dem Kind ist übrigens ein Hingucker! Das wäre hier bei uns Gott sei Dank undenkbar! Hoffentlich auch dort nicht an der Tagesordnung!

    Liebe Grüße
    Jana

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    1. Allein als Fußgänger die Straße zu überqueren, war schon eine ziemliche Herausforderung. An der Tagesordnung sind Kinder auf Motorbikes dort allerdings schon. Ich habe vierköpfige Personen auf einem Motorbike gesehen, schlafende Kinder zwischen den Beinen der fahrenden Eltern, auf dem Rücken gebundene Babys und so weiter.

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  8. Liebe Eva,
    deine Bilder finde ich wirklich schön. Auch wenn wir die Geschichte der Menschen nicht kennen, hast du doch einen faszinierenden Moment eingefangen. Was das Kind in der Hand hält würde ich auch gern wissen. Vielleicht ein Holzspielzeug? Nur wofür?
    Auf jeden Fall ist auf deinen Bildern viel zu entdecken. Danke, dass du sie mit uns geteilt hast.
    Liebe Grüße
    Mo

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    1. Vielen Dank für deinen lieben Kommentar! Holzspielzeug… auf die Idee bin ich noch gar nicht gekommen. Vielleicht ist es aber auch ein Werkzeug für das Gerät, das sie neben sich herführen. Was auch immer dieses Gerät jetzt wieder ist 😀

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  9. Das eigene Tempo mag ich am Alleinreisen auch sehr gerne. Ich bin auch viel alleine unterwegs und mag es, dass ich mich entscheiden kann, wann und wie lange ich wo was anschaue 😉 Keine Absprachen, keine Kompromisse, einfach nur dem eigenen Wunsch und Entsprechen folgen.

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