Das Lesejahr 2019: Ein paar Highlights

40 Bücher habe ich im vergangenen Jahr gelesen. Welche davon besonders lesenswert sind:

Andreas Eschbach – Ausgebrannt

Was, wenn der Welt plötzlich das Erdöl ausgeht? Was, wenn du versuchst, mit etwas, von dem du nicht viel verstehst, das große Geld zu machen? Dies sind die beiden Leitfragen von Eschbachs Thriller „Ausgebrannt“. Ein spannendes Buch, das einem viel erzählt über Energie- und Geopolitik und die damit einhergehenden engen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien.

 

Ninni Holmqvist – Die Entbehrlichen

Wer ist es wert zu leben? Wer ist für die Gesellschaft wertvoller als der andere? Was, wenn die Ressourcen nicht mehr für alle reichen? Was ist dann die kinderlose, unverheiratete Frau über 50, deren Arbeit die brotlose Kunst ist, im Vergleich zu der Ärztin mit zwei Kindern? In Holmqvists Ethikdrama „Die Entbehrlichen“ findet man sich in einer Gesellschaft wieder, die diese Fragen folgendermaßen beantwortet hat: Männer und Frauen ab 50, die keine Kinder haben, unverheiratet sind und keinen gesellschaftlich wichtigen Beruf ausüben, müssen ihr Leben für die „Wertvolleren“ opfern. Sie kommen in ein Sanatorium, wo medizinische Tests an ihnen vorgenommen werden und sie schließlich ihre Organe spenden müssen. Beklemmend erzählt der Roman das Schicksal von Dorrit, die in einem solchen Sanatorium landet, die versucht zu rebellieren und sich letztlich doch dem Unausweichlichen fügt.

 

Chimanda Ngozi Adichie – Americanah

In langsamen Schritten und sehr real erzählt Adichie die Geschichte von Ifemelu und Obinze, zwei jungen Nigerianern, die in ihrem Heimatland im Teenageralter ein Paar werden. Mit dem Ende der Universität trennen sich ihre Wege. Ifemelu geht in die USA, wo sie plötzlich zu den Schwarzen gehört und diskriminiert wird, sich mit sinnlosen Einwanderungsgesetzen herumschlägt und schließlich es nur durch gute Beziehungen überhaupt schafft zu überleben. Obinze versucht sein Glück in England, doch er scheitert und wird abgeschoben. Die Leben von Ifemelu und Obinze stehen dabei stellvertretend für all diejenigen, die versuchen, sich ihre Träume zu erfüllen, die versuchen, sich ein gutes Leben aufzubauen, denen es gelingt oder auch nicht, die aber trotzdem niemals irgendwo wirklich zu Hause sind. „Americanah“ ist ein Buch, das uns viel erzählt über Erfolg und Glück – und darüber, wie gut wir es haben, in Europa geboren worden zu sein.

 

Navid Kermani – Entlang den Gräben

Der Spiegel-Reporter reist über Polen, Litauen, Weißrussland, die Ukraine, Russland, Georgien, Aserbaischan und Armenien in den Iran. Er reist durch Gebiete, in denen sich um Grenzen gestritten wird und über die Frage: Europa oder Russland? Religion oder Säkularität? Ein starker Führer oder Demokratie? Wer ist der Feind und wer hat zuerst angefangen? Ein Buch, das einen viel über die Länder erzählt, die gar nicht so weit weg von uns sind, deren Politiken auch unsere Politik beeinflussen und über die wir doch so wenig wissen.

 

Asne Seierstad – Der Buchhändler aus Kabul

Die Norwegerin, die als Journalistin und Autorin durch die Welt reist, verbringt zu Beginn der Nuller Jahre fünf Monate bei einer afghanischen Buchhändler-Familie, um das Leben der Afghanen zu verstehen. Sie beobachtet arrangierte Ehen, wie Frauen in einer Gesellschaft leben, in der sie nichts wert sind und ihnen von den Taliban die Burka aufgezwungen wird, und was es auch für Männer bedeutet, ihren Lebensweg nicht selbst wählen zu können. Sie schreibt über eine Familie, die geprägt ist von Hoffnungslosigkeit, Unwissenheit und Fremdbestimmung und mehr oder weniger stellvertretend steht für die afghanische Gesellschaft.

 

Margarete Stokowski – Untenrum frei

Die Spiegel-Online-Kolumnistin nimmt intelligent, wortgewaltig und mit einer so großen Ehrlichkeit unseren Alltag auseinander, um zu zeigen, inwiefern sich das Leben von Mädchen und Frauen von dem der Jungen und Männer unterscheidet und welchen Anteil Gesellschaft und Medien daran haben. „Untenrum frei“ ist dabei auch die ganz persönliche Geschichte der Autorin, die anders hätte sein können, wenn Macht und Freiheit zwischen den Geschlechtern gleich verteilt wären.

 

Jule Specht – Charakterfrage

Wer sind wir im Vergleich zu anderen und wie verändern wir uns über die Lebensspanne? Woher kommt das Selbstwertgefühl und in welchem Alter ist man am zufriedensten mit seinem Leben? Welche Menschen harmonieren miteinander und welche nicht? Jule Specht unternimmt mit dem Leser eine Reise durch die Persönlichkeitspsychologie, erläutert die jedem Psychologiestudenten geläufigen Big Five, wie sich die Persönlichkeit mit dem Alter verändert und zeigt uns dabei: Wir sind nicht immer wir.

 

Yves Bossart – Ohne Heute gäbe es morgen kein Gestern

Gedankenspiele sind ein gängiges Werkzeug der Philosophie. Der Schweizer Philosoph Yves Bossart nutzt diese um dem Leser philosophische Erklärungen zu den Themen Glück, Schönheit und Kunst, Geist und Gehirn, Raum und Zeit, dem Ich und noch einigen weiteren nahezubringen. Ein Buch, nach dessen Lektüre man mehr weiß über die Welt und einem zugleich deutlich macht, wie wenig wir doch wissen.

 

Bridget Collins – Die verborgenen Stimmen der Bücher

Was, wenn wir Erinnerungen, die uns quälen einfach aus uns herausgezogen werden könnten? Was, wenn dein Gegenüber sich an gemeinsame Zeiten mit dir erinnern kann, du aber nicht? Und wie kam die Menschheit eigentlich auf die Idee, Romane zu schreiben und lesen zu wollen? „Die verborgenen Stimmen der Bücher“ ist ein Roman aus einer anderen Zeit und einer anderen Welt, die unserer doch ziemlich ähnlich ist.

 

Jennifer Donnelly – Die Wildrose

Es gibt immer wieder großartige Bücher mit außergewöhnlichen Charakteren und abenteuerlichen Settings, die sich hinter nichtssagenden Titeln und Covern verstecken. Jennifer Donnellys Rosen-Trilogie gehört zu dieser Kategorie von Büchern. Es geht um Unternehmertum, Politik, Frauenrechte, die schreiende Ungerechtigkeiten dieser Welt – und ja, auch um Familie und Liebe und das einsame Leben weit entfernt von ihnen. Während Teil 1 („Die Teerose“) und 2 („Die Winterrose“) der Trilogie zum Teil in den USA und Kenia spielten, ist „Die Wildrose“ eine Abenteuerreise durch Nepal und Arabien während des Ersten Weltkriegs. Eine spannend-schillernde Geschichte; nur durch ein paar schnulzig-schmalzige Sätze muss man leider hin und wieder durch.

 

Aladin und die Wunderlampe (illustriert von Olga Poljakowa)

Die Geschichte um den Straßenjungen Aladin, der sich in die schöne Prinzessin Jasmin verliebt und sie mit der Hilfe eines Flaschengeistes bekommt, ist vermutlich das bekannteste Orient-Märchen im Okzident. Im Detail ein bisschen anders als die Disney-Geschichte entführt einen dieses Buch mit seinen wunderbaren Illustrationen in die Welt von Tausendundeiner Nacht.

Ein Gedanke zu “Das Lesejahr 2019: Ein paar Highlights

  1. Wow! Da sind tolle Bücher dabei, die ich mir nun auf meine Wunschliste gesetzt habe. Das Alladin Buch sieht ja mal richtig toll aus. „Die Wildrose“ von Jennifer Donnelly habe ich bereits gelesen. Die anderen Bücher von ihr hatten mir schon so gut gefallen 🙂
    Liebe Grüße
    Larissa

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