Buchbesprechungen im September

Ein Kind ist verschwunden. Widerstandskämpfe im von Deutschland besetzten Italien. Verwinkelte Gassen, in denen man sich verliert.

Ein Stapel empfehlenswerter Bücher.

 

 

rezension-petra-hammesfahr-an-einem-tag-im-november

 

Petra Hammesfahr – Ein Tag im November*

 

Der erste Satz:

„Es war ein nettes Wochenende mit Freunden und hätte nicht in einer Tragödie enden müssen, wenn sie aufgebrochen wären, als Holger Notkötter seine Frau Elke das erste Mal daran erinnerte, dass er am nächsten Tag um sechs aus den Federn musste und sie noch vierhundertachtzig Kilometer Heimweg vor sich hatten.“ S. 9

 

Die Geschichte, die folgt:

Emilie, ein fünfjähriges aufgewecktes Mädchen, verschwindet von jetzt auf gleich. Ihre schwangere Mutter Anne schläft übermüdet auf dem Sofa ein, ihr Vater Lukas ist auf der Arbeit – und Emilie schleicht sich einfach raus. Die Nachbarn sehen sie noch auf ihrem neuen Fahrrad – dann verliert sich die Spur. Emilie ist einfach weg.
Kommissar Klinkhammer nimmt die Ermittlungen auf – doch niemand scheint etwas gesehen zu haben. Der Leser ist genauso ahnungslos wie der Ermittler.

Der Aufbau des Romans ist von Rückblendungen dominiert, die zehn Monaten vor Emilies Verschwinden beginnen. Zum Teil greifen sie noch weiter zurück, um das Kennenlernen von Emilies Eltern zu erzählen. Dabei geht es nicht nur um die Geschichte von Emilies Familie, auch die Nachbarschaft nimmt erheblichen Anteil am Lauf der Geschichte – und an dem, was mit Emilie schließlich geschieht.

Mobbing in der Schule, finanzielle Nöte, Stress, Überforderung und Unzufriedenheit – die Sorgen einzelner führen schließlich zum großen Knall. Wie Dominosteine, die umfallen, und alles mit sich ziehen.

Fesselnd geschrieben mit einem rasanten Tempo, seziert Petra Hammesfahr, wie es zu Tragödien kommt. Wie eine Reihe von Zufällen zur Katastrophe führen.

 

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Krimi-Fans

Handlungsort: Herten und Umgebung

 

 

rezension-alyson-richman-der-italienische-garten

 

Alyson Richman – Der italienische Garten*

 

Der erste Satz:

„Ihr Rucksack enthält ihr Leben, auf kleine Dinge reduziert.“ S. 9

 

Die Geschichte die folgt:

Oktober im Jahr 1943. Italien ist von Deutschland besetzt und Widerstandskämpferin Elodie versucht, sich vor den Nazis zu verstecken. Aus Verona geflohen, versucht sie im ligurischen Portofino unterzutauchen. Angelo, ein junger verwitweter Arzt, nimmt sie bei sich auf – ohne Fragen zu stellen.

Ein halbes Jahr zuvor in Verona: Nachdem ihr Vater von den Faschisten gefoltert wird, schließt sich Elodie schließt der Resistenza an, eine Gruppe junger Leute, die sich gegen das Hitlerregime wehren. Dort lernt Elodie Luca kennen und zwischen den beiden entwickelt sich eine Beziehung. Luca ist eigentlich Buchhändler, der seine Buchhandlung der Resistenza als Waffenlager zur Verfügung stellt. Elodie und ihre Freundin Lena arbeiten für die Widerstandsgruppe als Kuriere. Bis die Gruppe irgendwann auffliegt und es zur großen Katastrophe kommt.

„Der italienische Garten“ erzählt eine Geschichte zweier junger Leute, denen der Krieg alles genommen hat, und die die Hoffnung auf ein gutes Leben trotzdem nicht verlieren. Es ist auch eine Geschichte darüber, welche Kraft von Musik und Literatur ausgeht, wie man davon im Leben gehalten wird.

Ein aufwühlender und mitreißender Roman, der einen tief hineinzieht in das Entsetzen des Zweiten Weltkriegs.

Einziger Kritikpunkt: Bei der Liebeshandlung geht es stellenweise ziemlich schwülstig zu. Abgesehen davon ist „Der italienische Garten“ ein sehr lesenswerte Roman, der ganz anders ist, als man es anhand Covergestaltung und Klappentext erwarten würde.

 

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Empfehlenswert für : Italien-Fans und historisch Interessierte

Handlungsorte: Verona, Venedig, Genua und Portofino

 

 

rezension-julie-hastrup-todessommer

 

Julie Hastrup – Todessommer

Der erste Satz:

„,Sofie, lauf nicht zu weit weg.’“ S. 7

 

Die Geschichte, die folgt:

Die neunjährige Sofie stammt aus schwierigen Verhältnissen und verschwindet während eines Familienausfluges. Den Fall übernimmt die Kopenhagener Ermittlerin Rebekka Holm. Zunächst sieht es nach einer Beziehungstat aus, doch dann verschwindet ein weiteres Mädchen.

Auch der dritte Teil der Rebekka-Holm-Reihe ist spannend und lässt sich zügig lesen – genau wie seine Vorgänger. Ebenso wie die Ermittlerin tappt der Leser völlig im Dunkeln, und weiß ab einem bestimmten Punkt und lauter Wendungen nicht mehr, was und wem er glauben soll.

Mein bisheriger Favorit der Rebekka-Holm-Reihe bleibt allerdings Teil 1.
Teil 1 habe hier besprochen und Teil 2 hier).

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für : Thriller-Fans

Handlungsort: Dänemark

 

 

genua-und-ligurien

 

Gaby Wurster (Hrsg.) – Genua und Ligurien – Eine literarische Einladung

 

„Ich liebe die Gassen, sie sind so typisch Genua, eng, streng, hoch, dort brodelt das multikulturelle Leben.“ S. 32

 

„Die Altstadt von Genua ist ein dichtes Spinnennetz miteinander verwobener Gassen. Je tiefer man eindringt, desto finsterer, feuchter und muffiger wird es.“ S. 83

 

dresses and places ist in Genua entstanden – vor zweieinhalb Jahren, als ich für ein halbes Jahr dort war. Vergangenen Dezember stöberte ich in Düsseldorf in einer wunderbaren Buchhandlung (die es mittlerweile leider nicht mehr gibt) und fand dieses Buch. Eine literarische Einladung. Ein Spaziergang durch Genua mit Worten.

 

„Die Hitze des Sommers war dabei, in eine Erinnerung überzugehen, und der erste Wind verwirbelte die Straßen und die Haare der Frauen. Genua, matt und müde, bot wie immer sein Gassengewirr dar, in dem es nach Meer roch und in dessen altem Herz fremdländische Sprachen gesprochen wurde.“ S. 49

 

Die Herausgeberin Gaby Wurster hat eine Textauswahl zusammengestellt – von Geschichten, die in Genua spielen. Texte junger Autoren in meinem Alter und Texte der ganz großen, wie Charles Dickens; Texte, die in der Gegenwart spielen – und welche, die in der Vergangenheit spielen, in einer anderen Zeit.

Der Leser läuft durch verschmutzte Gassen, trinkt Wein am Piazza delle Erbe – die Texte zeigen einem die Stadt noch einmal. Sie zeigen einem Genua noch einmal neu.

 

„Ich setzte mich auf die Bank auf Bahnsteig 1 und ließ die Bilder kommen, ich durchsuchte die Erinnerungen und klebte sie zusammen wie einen Film.“ S. 114

 

Empfehlenswert für alle, die schon einmal in Genua waren oder vorhaben, dort hinzufahren

 

*Kostenfreies Rezensionsexemplar: Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

Dieser Beitrag enthält Affilliate-Links

6 Gedanken zu “Buchbesprechungen im September

  1. Oh die klingen wirklich sehr spanned die Bücher! 🙂
    Danke für die Tipps!

    Ich wünsche dir einen wundervollen Abend ❤
    Liebst, Sarah von Belle Mélange
    belle-melange.com

    Liken

  2. Die Bücher hören sich ja klasse an. Ich komme leider gar nicht mehr dazu zu lesen. Hoffe das ändert sich ganz bald. Muss mir es mal fest vornehmen.
    Liebe Grüße Michelle von beautifulfairy

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.