Literarische Februar-Erinnerungen

Sie harren die ganze Nacht am Elbufer aus und sehen zu, wie die Innenstadt von Hamburg in Schutt und Asche gebombt wird. Die Flüchtlinge, die neben ihm Bot saßen, sind alle ertrunken. Von morgens bis abends stehen sie in der Buchhandlung, arbeiten rund um die Uhr, und können doch nur gerade so davon leben. Der Lesemonat Februar 2016.

 

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Abbas Khider – Ohrfeige

 
Der erste Satz:

„Stumm und starr vor Angst hockt sie in ihrem Drehstuhl, als hätte die Ohrfeige sie betäubt.“  S. 9

 
Die Geschichte, die folgt:

Ein einst illegaler Flüchtling schreibt einen Roman über einen illegalen Flüchtling. Der irakische Autor Abbas Khider floh 1996 als politisch Verfolgter aus seinem Heimatland und gelangte schließlich im Jahr 2000 nach Deutschland. Hier studierte er Literatur und Philosophie und veröffentlichte 2008 seinen auf Deutsch geschriebenen Debütroman. Mittlerweile ist der vierte Roman des Nelly-Sachs-Preisträgers erschienen. Mehrere Jahre habe er an dem Flüchtlings-Roman gearbeitet, und obwohl die Geschichte vor 15 Jahren spielt, ist die Thematik aktueller denn je. Zwar betont  Abbas Khider, der Roman sei nicht autobiographisch, dennoch lassen sich doch einige Parallelen zwischen seinem Leben und dem seines erschaffenen Protagonisten finden. Der Protagonist, ein Iraker namens Karim Mensey, hat einen Schlepper dafür bezahlt, ihn nach Frankreich zu schleusen. Doch die Reise endet in Deutschland. Dort wird er von der Polizei aufgegriffen und landet in Asylunterkünften. Damit beginnt eine Reise durch den deutschen Behördendschungel.

Sein Leben besteht aus Warten und Nichtstun, Herumlungern und Nichtstun, Menschen beobachten und Nichtstun. „Denn wir konnten ja mangels Erlaubnis weder Deutsch lernen noch arbeiten gehen oder sonst etwas Sinnvolles mit unserer Zeit anfangen“, heißt es in dem Roman. Der Iraker hat ein besseres Leben gesucht und gerät in die Isolation: „Zu gern wollten wir sein wie sie. Einkaufen, im Café sitzen, Getränke bestellen und mit einer der vielen Kellnerinnen plaudern. Aber wie sollte das gehen? Wir standen mittendrin, doch waren wir meilenweit von all dem entfernt. Die Einheimischen gingen shoppen, wir wärmten uns an ihren Leben.“

Während Karim die Lage zunehmend wütend macht, zerbrechen andere Asylbewerber komplett an ihrer Situation. Einer wird fanatisch religiös, ein anderer verrückt. Das Ganze gipfelt schließlich, als Karim nach dem Sturz Saddam Husseins in den Irak abgeschoben werden soll. Dabei fürchtet er dort Ächtung aufgrund Gynäkomastie: Karim ist kein politisch Verfolgter, wie er im Asylverfahren behauptet hat; der Wunsch, seine in der Pubertät gewachsenen Frauenbrüste entfernen zu lassen, hat ihn nach Europa getrieben. Der nächste Schleuser muss her, um ihn aus Deutschland rauszubringen.

Der Roman ist ausschließlich aus der Perspektive des Flüchtlings Karim geschrieben, wobei die Handlung nicht chronologisch aufgebaut ist. Nachdem Karim den Abschiebebescheid erhalten hat, hängt er bei einem Kumpel auf der Couch herum und kifft. In seinem Rauschzustand stellt er sich vor, wie er Frau Schulz  von der Ausländerbehörde fesselt, knebelt, ihr eine Ohrfeige verpasst – und jetzt endlich mal er derjenige ist, der zu Wort kommt. Auf Arabisch. Dass sie nichts versteht, egal. Außerdem spielt sich das Gespräch ja sowieso nur in seinem Kopf ab. Damit beginnt der Roman. Drei Jahre des Asyls werden in einen Monolog gepackt, einzelne Geschehnissen werden miteinander verwirbelt,  auf 200 Seiten wird temporeich wiedergegeben, wie ein asylsuchender Mensch Deutschland erlebt. Die Sprache ist dabei schlicht und passt sich der Erlebniswelt des Protagonisten an, der kein intellektueller, tiefsinniger Mensch ist.  Abbas Khider zeichnet dabei kein düsteres Bild der Ausweglosigkeit, sondern stellt deren Absurdität in den Vordergrund. Der irakische Autor zeigt uns dabei einen Aspekt von Deutschland, den wir selbst nicht kennen. Und lässt den Leser mit der Frage zurück, was aus einem Leben wird, wenn man nirgendwo sein kann. Wo man hin soll, wenn man nirgendwo erwünscht ist.

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: politisch Interessierte

Handlungsorte: Deutschland, manche Rückblenden spielen im Irak

 

 

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Jutta Profijt – Blogging Queen

 
Der erste Satz:

„Endlich!“ S. 5

 
Die Geschichte, die folgt:

Protagonistin Lulu, die als Stewardess durch die Welt fliegt, zieht sich eine schwere Ohrenentzündung zu – und ist deswegen wochenlang krankgeschrieben. Da sie sich in Düsseldorf in ihrer Ein-Zimmer-Wohnung langweilt, siedelt sie zu einer Freundin um, die ihr ihre Wohnung aufgrund einer ausgedehnten Südamerika-Reise zeitweise überlässt. Lulu hat keine Ahnung von Computern und dem Internet, aber da sie nichts Besseres mit sich anzufangen weiß, startet sie einen Blog. Sie gibt sich selbst die Identität einer Millie, die als Trendscout durch die Welt fliegt und die Blogleser an ihrem Jetset-Leben teilhaben lässt. Der Blog schlägt natürlich ein wie eine Bombe, was den Neid der Gegenspieler auf sich zieht. Und das Interesse der Polizei, die einen Betrüger sucht. Und das von Karl Lagerfeld. Und überhaupt. Alle wollen wissen, wer Millie eigentlich ist. Und Lulu verstrickt sich immer mehr in Lügen, um Millies Identität zu wahren.

Ich frage mich, was sich die Autorin gedacht hat, als die Protagonistin Lulu entwickelte. Modeblog = dummes, oberflächliches Ding? Anscheinend, denn Lulu ist wirklich schrecklich oberflächlich: Jeder Mensch, dem sie begegnet, wird erst einmal von oben bis unten gemustert, und dann wird sein Aussehen bewertet: Jacket? So last year. Nase? Ein bisschen  zu groß. Hals? Ein bisschen zu lang. Und so weiter. Auch ihr eigenes Aussehen wird von der Protagonistin ständig moniert: Zu große Nase, zu runder Hintern, zu kurze Beine. Ernsthaft, wer hat Lust, seine Freizeit mit einer über ihr Aussehen jammernde Fantasiefigur zu verbringen? Ich zumindest nicht. Aber ich war auch schon kein Bridget-Jones-Fan.

Vielleicht wollte die Autorin die Protagonistin auch dadurch sympathisch machen. Nach dem Motto: Ich schaffe eine Protagonistin, mit der sich junge, modeliebende und blogbegeisterte Frauen identifizieren können. Na, danke. Auch sonst hat die Protagonistin nicht sonderlich etwas in der Birne, ist zudem ein nerviger Planungs-Guru und kann nicht einfach mal Klartext reden, weil ihr Gegenüber ja über sie lachen könnte. Kurzum: Lulu ist eine ChickLit-Heldin, wie sie keiner braucht. Auch scheint es so, als habe die Autorin keine konkrete Romanidee gehabt. Als hätte sie sich gedacht: Ich schreibe einen Roman über eine Bloggerin und …ähm… keine Ahnung, was sonst noch passiert. Irgendwas halt. Und dieses Irgendwas ergibt immer durch irgendwelche unrealistischen Zufälle.

„Blogging Queen“ ist ein schillerndes Beispiel dafür, warum das ChickLit-Genre immer wieder belächelt oder wahlweise als „Schund“ bezeichnet wird.

 

Bewertung: 2 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Niemanden. Wirklich niemanden.

Handlungsort(e): Überwiegend Düsseldorf, außerdem Nebenschauplätze wie beispielsweise Paris und Venedig

 

 

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Chris Mooney – Victim

 
Der erste Satz:

„Darby McCormick nahm ihre Freundin Melanie beim Arm und zog sie mit sich in den tiefen Wald hinein.“ S. 11

 
Die Geschichte, die folgt:

Als junge Mädchen beobachten Darby und ihre Freundinnen Melanie und Stacey einen Mord. Der Täter wird nicht gefasst, das Opfer bleibt verschwunden. Doch der Mörder lauert Darby und ihren Freundinnen auf. Stacey wird ermordert. Darby kann entkommen, während Melanie entführt wird und nie wieder auftaucht. Niemand weiß, was mit Melanie geschehen ist.

Jahrzehnte später arbeitet Darby selbst als Kriminalpolizistin im Morddezernat. Bei einem aktuellen Fall wird eine Frau aus ihrem Haus entführt, ihr Freund, der sich zugleich im Haus befand, wird ermordet. In der Nähe des Tatorts finden die Ermittler eine Frau, die offenbar vor Jahren entführt wurde und irgendwo unter qualvollen Umständen gefangen gehalten wurde.

Chris Mooney liefert mit „Victim“ einen spannenden und temporeichen Thriller ab. Die Handlung ist gut konstruiert und mit Darby hat er eine sympathische Ermittlerin entwickelt. Das Ende ist in mehrerer Hinsicht überraschend und nicht vorhersehbar.

Weiterer Pluspunkt: Mooney hat darauf verzichtet, den Roman mit einer hinzugefügten Liebesgeschichte aufzuquellen, was leider bei vielen Thrillern der Fall ist.

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Thriller-Fans

Handlungsort: USA

 

 

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Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung

 
Der erste Satz:

„Wir haben eine Buchhandlung gekauft.“ S. 7

 
Die Geschichte, die folgt:

„Meine wundervolle Buchhandlung“ ist ein Erfahrungsbericht: Petra Hartlieb kauft spontan mit ihrem Mann eine Buchhandlung in Wien. Dabei leben sie eigentlich mit Kindern in Hamburg und gehen lukrativen Jobs nach. Sie muss der Wahnsinn getrieben haben. Oder einfach die Leidenschaft der Bücher. „Meine wundervolle Buchhandlung“ berichtet  von dem Leben einer Familie, wie der Alltag nach dem Erwerb einer Buchhandlung aussieht. Es geht um Weihnachtsgeschäfte, Umbaumaßnahmen, liebgewonnene Kunden und unfreundliche, Buchmessen und großartige Entdeckungen. Ein Buch, bei dessen Lesen einen den Wunsch überkommt, selbst eine Buchhandlung zu eröffnen.

 

Handlungsort: Wien

Empfehlenswert für: Menschen, die Bücher und Buchhandlungen lieben

Bewertung: 4 von 5 Sternen

 

 

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Jenny Erpenbeck – Gehen, ging, gegangen*

 

Der erste Satz:

„Vielleicht liegen noch viele Jahre vor ihm, vielleicht nur noch ein paar.“ S.9

 

Die Geschichte, die folgt:

Richard ist ein emeritierter Professor. Seine Universitätskarriere liegt hinter ihm, seine Frau ist bereits gestorben, Kinder hat er keine. Was tun mit all der Zeit? Als er eines Tages auf dem Oranienplatz Asylsuchenden begegnet, macht er diese zu seinem neuen Projekt. Er fragt sie, was sie dazu veranlasst hat, in Deutschland Asyl zu suchen. Und bekommt ergreifende Geschichten erzählt.

„Gehen, ging, gegangen“ ist ein Roman, der die Schicksale einzelner Flüchtlinge zu seinem Inhalt macht, außerdem den Irrsinn von Dublin II aufzeigt und den Unterschied zwischen Recht und Gerechtigkeit vor Augen führt. Bruchstückhaft erzählen die Flüchtlinge, von dem Grauen, das sie erlebt haben. Dabei verändert sich Richards Sichtweise auf sein eigenes Leben – und auf die Welt, wie er sie kennt.

„Wie oft wohl muss einer das, was er weiß, noch einmal lernen, wieder und wieder entdecken, wie viele Verkleidungen abreißen, bis er die Dinge wirklich versteht bis auf die Knochen? Reicht überhaupt eine Lebenszeit dafür aus? Seine – oder die eines anderen?“ S. 177

Jenny Erpendecks Schreibstil ist außergewöhnlich. Manche Sätze sind kurz und abgehackt, andere verschachtelt, außerdem arbeitet sie mit vielen Wiederholungen. Dadurch übermittelt sie viel Gefühl und fasst viele tiefgehende Gedanken in Worte – aber  eindrucksvolle Szenen lesen sich auch stellenweise langweilig und das Lesen erfordert Konzentration. Ab der Mitte des Buches zieht sich die Geschichte zudem ein wenig in die Länge. Aber was mich am meisten gestört hat: Auch wenn sich Richard sehr samariterhaft den Flüchtlingen gegenüber verhält, fand ich sein Verhalten Frauen gegenüber nahezu sexistisch. Deswegen habe ich den Protagonisten eher kritisch beäugt.

Trotzdem: Erpenbecks Roman ist ein wichtiger Roman in unserer Zeit, der besonders den afrikanischen Flüchtlingen eine Stimme gibt.

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Wer sich für Asylpolitik und Flüchtlingsschicksale interessiert sowie für die Zustände in afrikanischen Ländern

Handlungsorte: Berlin, Die erzählerischen Rückblenden spielen in mehreren afrikanischen Staaten, z.B. Ghana und Libyen

 

 

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Marie Jansen – Als wir Schwestern waren*

 

Der erste Satz:

„Constanze löste den Blick von dem Blatt Papier, welches vor ihr auf dem Schreibtisch lag, und betrachtete ihre Hände.“ S. 7

 

Die Geschichte, die folgt:

Hamburg, im Jahre 1916: Vivianne und Elisabeth sind zwei Schwestern, die im Hamburger Stadtteil Blankenese aufwachsen und einer wohlhabenden Familie angehören. Trotz ihrer verschiedenen Charaktere lieben sich die beiden innig und fühlen sich sehr miteinander verbunden. Eines Tages kommt der Zirkus in die Stadt. Besonders die unkonventionelle Vivianne findet das großartig und sucht Kontakt mit den Zirkusleuten. Sie verliebt sich in einen der Artisten, und da ihre Eltern sie mit jemand anderen verheiraten wollen, brennt sie kurzerhand mit dem Zirkus durch. Eine Schande für die Familie und eine große Tragödie für ihre Schwester Elisabeth, nun ein Leben ohne Vivianne führen muss.

Jahre später lebt Elisabeth in einer unglücklichen und kinderlosen Ehe. Da wird vor ihrer Haustür ein Baby abgelegt. Elisabeth kann sich gut vorstellen, woher das Kind stammt – und ist fest entschlossen, es nie wieder herzugeben.

Berlin, im Jahre 2013: Die junge Auktionshändlerin Simone erhält in einem anonymen Schreiben den Auftrag, in Hamburg bei einer Auktion einen Sattel und einen alten Koffer zu ersteigern. Nachdem sie die Stücke ersteigert hat, wird sie neugierig: Wer ist wohl der Auftraggeber? Und was ist eigentlich in diesem Koffer?

„Als wir Schwestern waren“ ist eine sehr bewegende Geschichte, eingebettet in die dramatischen Kulissen des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Die Szenen werden sehr bildreich beschreiben: Während man liest, spielt sich vor den Augen ein bunter Film ab. Man erlebt das Grauen der Weltkriege, leidet mit den Protagonisten und erlebt ihre Ausweglosigkeit, während sie versuchen, das Richtige zu tun – und dabei in ihr Unglück steuern.

Die Geschichte ist gut konstruiert und der Aufbau – die Abwechslung zwischen Vergangenheit und Gegenwart – sorgt für Spannung. Allerdings ist der Sprachstil teilweise hölzern, manche Sätze verkrampft geschrieben. Zudem fand ich die Geschichte um Simones Beziehungsprobleme in der Gegenwart als nervig und überflüssig.

Alles in allem ist „Als wir Schwestern waren“ aber ein wirklich wunderbarer Roman, der einem tollen Lesestunden beschert.

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Fans von Familiengeschichten, Hamburg-Fans und Geschichtsinteressierte

Handlungsorte: Hamburg, Berlin, französische Bretagne

 

 

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Sabine Thiesler – Und draußen stirbt ein Vogel*

 

Der erste Satz:

„Nur eine fahle Leselampe beleuchtete Gesicht, Lesepult und Buch.“ S. 9

 

Die Geschichte, die folgt:

Sabine Thiesler ist eine brilliante Autorin: Sie kann spannend erzählen, flüssig schreiben, sie schafft düstere Atmosphären, entwirft interessante Figuren, verknüpft raffiniert Handlungsstränge und verpackt das alles mit einem Hauch Situationskomik.
Doch bei „Und draußen stirbt ein Vogel“ ist ihr das nicht gelungen. Es wirkt, als hätte die Autorin sämtliche Zutaten für einen Krimi in einem Topf geworfen und kräftig gerührt – aber es kam keine stimmige Komposition heraus. Da ist Rina, eine erfolgreiche Schriftstellerin aus Deutschland, die in der Toskana lebt. Und ihr Stalker Manuel, von dem sie nichts ahnt: Ein Möchtegern-Autor mit der Meinung, Rina klaue ihm seine Gedanken und Buchideen. Dann gibt es da noch ihren Ehemann Eckart: Ein Regisseur, der für einen Dreh in Frankreich ist und eine Affäre mit seiner Assistentin hat. Rinas Sohn Fabian, ein Halbwüchsiger, der sich der katholischen Kirche verschrieben hat. Und ein Pfarrer, der kleine Jungs mag. Ach ja, und ein Rumäne, der klaut, um die klamme Haushaltskasse auszubessern – und natürlich Neri, der unfähige italienische Polizist, den wir schon aus allen vorherigen Toskana-Romanen kennen. Thiesler wirft mit Figuren und Handlungssträngen um sich. Das ist typisch für ihre Romane, doch bei „Und draußen stirbt ein Vogel“ fehlt die Struktur, die große Geschichte.

Wirkliche Spannung kommt erst im hinteren Teil des Buches auf, aber eigentlich wünscht man als Leser nur, sich endlich nicht mehr mit den ganzen Wahnsinnigen, die in dem Buch auftauchen, beschäftigen zu müssen.

Das Ende des Buches ist zwar originell und unerwartet, kann aber nicht wettmachen, dass der Großteil des Romans wie eine Umzugskiste wirkt, in die man alles hastig hineinwirft, was man gerade in die Finger bekommt, damit sie endlich voll wird.

„Und draußen stirbt ein Vogel“ ist Thieslers schwächstes Werk und trotz des Toskana-Feelings meilenweit entfernt von den früheren Romanen „Hexenkind“ und „Der Kindersammler“.

 

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Eingefleischte Thiesler-Fans, die kein einziges Werk der Autorin verpassen wollen. Alle anderen sollten eher zu den oben genannten Thiesler-Romanen greifen.

Handlungsorte: Toskana, teilweise auch Deutschland
 

 

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Marian Izaguirre – Als die Träume noch uns gehörten*

 
Der erste Satz:

„Draußen ist es kalt.“ S. 7

 

Die Geschichte, die folgt:

Es ist das Jahr 1951 in Madrid. Kriegsjahre liegen hinter ihnen, jetzt sind sie eingesperrt im Franco-Regime. Außerdem ist da die Verurteilung des sozialen Umfelds und die Vorwürfe, die man sich selbst macht. Mathías und Lola sind seit Jahren ein Paar und leben von ihrer kleinen Buchhandlung in der Altstadt Madrids. Die Buchhandlung war Mathías’ Traum, aber die Einkünfte reichen kaum zum Überleben. Beide haben viel geopfert, um mit dem jeweils anderen zusammen sein zu können – und jeder denkt, er hätte mehr gegeben als der andere. Dann gibt es da noch die zunächst namenlose und nicht zuordenbare Ich-Erzählerin, die regelmäßig Lolas und Mathías’ Buchladen aufsucht und dort heimlich ihre eigenen Bücher in den Regalen versteckt. Schließlich beginnen Lola und die unbekannte Frau gemeinsam ein Buch aus dem Laden zu lesen: Roses Geschichte, die neben Lolas und Mathías’ Geschichte sowie der Geschichte der Ich-Erzählerin zum dritten Handlungsstrang wird. Stück für Stück verweben sich die vier Leben.

Die Geschichte selbst ist schwer zu fassen; es ist schwer in Worten zu beschreiben, wo ihr Zauber liegt. „Als wir noch Träume hatten“ ist eine Geschichte mehrerer Leben und wie diese von Weltkriegen und Erwartungshaltungen der Gesellschaft geprägt werden. Mit einem poetisch-melancholischen Schreibstil, der Tragik und Optimismus zugleich übermittelt.

 

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Empfehlenswert für: Buchliebhaber und Geschichts-Interessierte

Handlungsorte: Madrid, aber auch Frankreich und Großbritannien

 

 

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Übersicht:

Marie Jansen – Als wir Schwestern waren*: hier erhältlich

Jutta Profijt – Blogging Queen: hier erhältlich

Chris Mooney – Victim: hier erhältlich

Petra Hartlieb – Meine wundervolle Buchhandlung: hier erhältlich

Abbas Khider – Ohrfeige: hier erhältlich

Jenny Erpenbeck – Gehen, ging, gegangen*: hier erhältlich

Sabine Thiesler – Und draußen stirbt ein Vogel*: hier erhältlich

Marian Izaguirre – Als die Träume noch uns gehörten*: hier erhältlich

 

Meine Leseeindrücke in Echtzeit gibt es übrigens immer auf Twitter.

*Kostenfreies Rezensionsexemplar: Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

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7 Gedanken zu “Literarische Februar-Erinnerungen

      1. Vor allem die mit der Flüchtlings-Thematik. Sowas lese ich eher selten, aber im Moment ist das Thema unglaublich wichtig und deswegen habe ich auch Lust darauf, mich mehr damit auseinanderzusetzen. :)Und das mit der Buchhandlung…

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      2. Wenn du dich für die Flüchtlingsthematik interessierst, kann ich dir auch „Während die Welt schlief“ von Susan Abulhawa empfehlen, ein Roman über eine palästinensische Flüchtlingsfamilie.

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