Der Lesemonat November 2015

Im November war ich im historischen Wien und Berlin unterwegs sowie New York zum Ende des 19. Jahrhunderts, außerdem im weihnachtlichen New York der Gegenwart. Ich bin nach Apulien gereist und dort Zeuge des Bürgerkriegs geworden. In einem verschlafenen Örtchen irgendwo in Iowa habe ich einen Buchladen eröffnet und die Dorbewohner zum Bücherlesen gebracht. In der Zukunft war ich übrigens auch noch, in einer Zeit, in der 99 Prozent der Weltbevölkerung an einer Grippeepidemie gestorben sind. Ach ja, und auf dem Mars. Insgesamt sieben Bücher haben mir das ermöglicht.


 

Buchblog_Rezension_Ewald Arenz_Der Duft von Schokolade
 

Ewald Arenz – Der Duft von Schokolade

 

Klappentext:
Nachdem der junge Leutnant August Liebeskind 1881 den Dienst bei der k.u.k. Armee Österreich-Ungarn quittiert hat, liegt ein langer Sommer ohne Verpflichtungen in seiner Heimatstadt Wien vor ihm. Erst im Herbst soll er bei seinem Onkel Josef, dem erfolgreichen Schokoladenfabrikanten, eine neue Stelle antreten. Dann jedoch lernt er die selbstbewusste Elena Palffy kennen, deren Mann erst kurz zuvor unter mysteriösen Umständen verschwunden ist. August verliebt sich Hals über Kopf in die kühle Schöne, die mitten in der Stadt Hochrad fährt, Mazagran trinkt und sich anscheinend nicht um die Meinung der Öffentlichkeit schert. Um Elena zu beeindrucken, beginnt August, aus exotischen Spezereien und Schokolade außergewöhnliche Pralinés für sie zu kreieren.

 

Der erste Satz:

„Im Frühjahr 1881 quittierte der Leutnant August Liebeskind nach fast zehn Jahren den Dienst in der kaiserlichen und königlichen Armee Österreich-Ungarns.“ S. 9

 

Diese Geschichte führt den Leser in das Wien des 19. Jahrhunderts. August kehrt aus der Armee zurück und genießt seine Freiheit.

 

„Er war glücklich, und weil er wusste, dass Glück nie lange dauerte, bewegte er sich sehr behutsam, um es nicht vorschnell zu verjagen.“ S. 12

 

Er besucht die Wiener Kaffeehäuser, lässt das Leben auf sich einströmen – und dort entdeckt er Elena und findet sie aufgrund ihrer Art und ihres Aussehens auf Anhieb faszinierend.

August hat zudem eine besondere Fähigkeit: Er hat einen außerordentlich ausgeprägten Geruchssinn. Er kann riechen, woher die Menschen kommen, wohin sie gehen und was ihnen passieren wird.

 

„Elenas Duft, das Gemisch aus afrikanischen Gewürzen, aus Rauch, aus kühlen und heißen Aromen wie hellgrüner Minze und glimmendem Heu […]“ S. 75

 

Die Beschreibung der Gerüche nimmt einen großen Teil des Romans ein. Egal, ob er Zeit mit Elena verbringt, im Kaffeehaus sitzt, in der Schokoladenfabrik arbeitet oder durch die Straßen Wiens spaziert, alles wird anhand der Gerüche beschrieben.

 

„Die Vögel waren fort und der Wind an den Straßenecken roch nach nassen Blättern und brachte immer öfter den Wintergeruch von feuchtem Holz mit sich, das in den tausend Öfen der Stadt verschürt wurde.“ S. 94

 

Einerseits ist es sehr faszinierend, wie es dem Autor gelingt, Gerüche mit Worten zu beschreiben und auf diese Weise atmosphärische Sätze zu kreieren; andererseits wirkt der Roman somit sehr abgekupfert von Patrick Süskinds berühmtem Roman „Das Parfum“.

 

„Er liebte die Düfte wegen ihrer Bilder und ihrer Farben. Weil Oregano eine sonnendurchglühte, leere Felslandschaft hoch über dem Meer war […]. Weil Kümmel ein Bild von lachenden Junggesellen beschwor, die ihren Liebsten Kümmel in den Wein mischten, weil sie nicht wollten, dass sie verlassen wurden. Weil Thymian sonnige Felssteinmauern zeigte und Damen, die ihren Rittern Zweige des Gewürzes in Tüchlein stickten; Damen, deren Abschiedsküsse nach Thymian schmeckten.“ S. 214

 

Elena ist eine ziemlich unsympathische Romanfigur: Unfreundlich, egozentrisch, sprunghaft, unnachgiebig, nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht. Mal ist sie da, dann wieder weg, dann verschwindet sie komplett, um anschließend wieder aufzutauchen und letztlich doch wieder zu verschwinden. Und August leidet.

 

„Es war eine schleichende, kaum sichtbare Verzweiflung, die Tag für Tag wiederkam, nicht stärker und nicht schwächer wurde und ihn gerade dadurch allmählich zerrieb.“ S. 257

 

Man versteht als Leser überhaupt nicht, warum August zu hin und weg von ihr ist und warum es so eine große Liebe zwischen den beiden sein soll.

Hinsichtlich der Story und der Idee ist es daher nur ein mittelmäßiges Buch, aber der Schreibstil des Autors ist wirklich beeindruckend. Deswegen spreche ich trotzdem eine Leseempfehlung aus.

 

 

Buchblog_Renzension_Katherine Webb_Italienische Nächte

 

Katherine Webb – Italienische Nächte*

 

Klappentext:
Clare folgt ihrem Mann, als sie 1921 von England in die Hitze Apuliens reist. Boyd arbeitet dort als Architekt für den reichen Grundbesitzer Leandro Cardetta, und möchte, dass Clare den Sommer bei ihm verbringt. Doch Boyd empfängt sie abweisend und scheint etwas zu verbergen. Auf sich allein gestellt erkundet Clare die fremde Umgebung und lernt dabei Ettore kennen, den Neffen des Grundbesitzers. Clare fühlt sich unbändig zu ihm hingezogen – zu einer Welt, in die sie nicht gehört und die droht, für beide zum Verhängnis zu werden …

 

Der erste Satz:

„Alle müssen in Bari umsteigen, und der Bahnsteig ist plötzlich voller schlurfender Männer, zerknittert und verdrießlich wie eben aus dem Schlaf gerüttelt.“ S. 7

 

Man schreibt das Jahr 1921, als die Engländerin Clare mit ihrem Stiefsohn Pip nach Apulien reist. Ihr Mann hat dort einen Architekten-Auftrag erhalten und holt die beiden zu sich. Während Clare mit ihrer Familie bei dem reichen Grundbesitzer Leandro Cardetto lebt, sind die Arbeiter vor den Mauern des Palazzos vom Ersten Weltkrieg und Armut gezeichnet.

Apulien ist von der Pracht und Gelehrtheit Venedigs, Florenz’ und Roms entfernt. Es ist ein karges, verbranntes Land; eine andere Welt, in der Hunger und Gewalt an der Tagesordnung stehen. Eine Welt, in der die einzige Möglichkeit, ein Stück Mozzarella zu essen, darin besteht, es zu stehlen. Eine Welt, in der Menschen auf offener Straße fast totgeschlagen werden und das Ganze ohne Konsequenzen bleibt. Es herrscht Krieg zwischen Arm und Reich.

 

„Clare wendet sich ab und schaut hinaus auf den makellos blauen Himmel und die grellen weißen Mauern im strahlenden Sommerschein. Sie erwartet beinahe, irgendein Anzeichen dieser Gewalttaten zu sehen, wie eine Rauchsäule am Horizont. Sie erwartet beinahe zu spüren, wie der Boden unter den schweren Schritten von Kummer, Hass und Tod erbebt.“ S. 339

 

Clare ist schwer schockiert von den Verhältnissen in Apulien und zudem in ihrer Ehe mit Boyd nicht unbedingt glücklich. Sie sind seit 10 Jahren verheiratet und Clare wünscht sich sehnlich ein Kind, was Boyd entschieden ablehnt. Zugleich gibt er sich ihr gegenüber distanziert, und sie hat das Gefühl, niemals gegen Boyds Liebe zu seiner verstorbenen ersten Frau anzukommen.

Eines Tages lernt Clare Ettore kennen, Cardettos Neffen, der der Arbeiterbewegung angehört und nur widerwillig die Hilfe seines reichen Onkels annimmt und kurzzeitig in der Villa einzieht, um sich auszukurieren.
Während vor den Mauern des Anwesens ein Bürgerkrieg entbrennt, entwickelt sich zwischen den beiden eine Beziehung, die nicht sein darf.

Über den Tagen schwebt die Tragik und in der Ferne grollt schon das Unheil.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Sichtweise von Clare und Ettore beschrieben, wobei jeweils eine personale Erzählsperspektive verwendet wird. So werden die unterschiedlichen Welten der gutbürgerlichen Clare und des armen Ettores kontrastvoll dargestellt.

Die Personen sind komplex und lassen sich nicht einfach in „gut“ und „böse“ unterteilen, was zu einem überraschenden Ende beiträgt.

Obwohl der Roman im Jahre 1921 spielt, ist die Geschichte komplett im Präsens verfasst. Katherine Webb schreibt sehr detailreich und atmosphärisch.

 

„Diese Party ist eine Form von Wahnsinn: Sie lachen, während die Decke bröckelt, und tanzen, während der Boden unter ihren Füßen wegbricht.“ S. 460

 

Teilweise ist ihr Schreibstil wunderbar poetisch, stellenweise aber auch immer wieder langatmig und ermüdend zu lesen.

Die einzelnen Kapitel sind sehr umfangreich. Einzelne Tage gehen ineinander über, ohne dass ein Absatz verwendet wird.

Wirkliche Spannung kommt erst auf den letzten 150 Seiten auf, aber wer es schafft, sich durch den Anfang des Buches durchzukämpfen, wird mit einem überraschenden und aufwühlenden Ende belohnt.

 

„Die Landschaft hat sich nicht verändert, und das allein erscheint ihr unwirklich, hat sie doch das Gefühl, dass gewaltige Erdbeben ihr Leben in Trümmer gelegt haben. Sie erwartet, rauchende Ruinen zu sehen, gewaltige Risse im Boden. Doch vor ihr liegt das flache, weite Land mit seinem braunen Gras und den verkohlten Stoppelfeldern, denselben knorrigen Olivenbäumen, die schon Generationen von Menschenleben haben erlöschen sehen wie die Sterne im Morgengrauen.“ S. 530

 

Fazit: „Italienische Nächte“ ist ein aufwühlendes Buch über Italiens Sorgenregionen, über Arbeiterkämpfe, Verrat und eine Liebe ohne Zukunft. Für Italien- sowie Geschichtsinteressierte ein interessantes Leseerlebnis!

 

 

Buchblog_Rezension_Katarina Bivald_Eine Buchhandlung zum Verlieben

 

Katarina Bivald – Ein Buchladen zum Verlieben*

 

Klappentext:
Es beginnt mit einer ungewöhnlichen Brieffreundschaft. Die 65-jährige Amy aus Iowa und die 28-jährige Sara aus Schweden verbindet eines: Sie lieben Bücher – mehr noch als Menschen. Begeistert beschließt die arbeitslose Sara, ihre Seelenverwandte zu besuchen. Als sie jedoch in Broken Wheel ankommt, ist Amy tot. Und Sara plötzlich mutterseelenallein. Mitten in der Einöde. Irgendwo in Iowa. Doch Sara lässt sich nicht unterkriegen und eröffnet mit Amys Büchersammlung einen Laden. Und sie erfindet neue Kategorien, um den verschlafenen Ort für Bücher zu begeistern: »Die verlässlichsten Autoren«, »Keine unnötigen Wörter«, »Für Freitagabende«, »Gemütliche Sonntage im Bett«. Ihre Empfehlungen sind so skurril und liebenswert wie die Einwohner selbst. Und allmählich beginnen die Menschen aus Broken Wheel tatsächlich zu lesen – während Sara erkennt, dass es noch etwas anderes im Leben gibt außer Büchern. Zum Beispiel einen ziemlich leibhaftigen Mr. Darcy…

 

Der erste Satz:

„Die fremde Frau in der Hauptstraße von Hope sah schon fast erschreckend alltäglich aus.“ S. 6

 

Die Geschichte beginnt damit, dass die Schwedin Sara in dem winzigen US-amerikanischen Örtchen Broken Wheel strandet, um ihre jahrelange Brieffreundin Amy zu besuchen. Die beiden Frauen sind sich in Wirklichkeit nie begegnet, sondern über einen Internet-Buchkauf in Kontakt miteinander gekommen. Seitdem tauschen sie sich regelmäßig über die neusten Buchtipps und den Lauf des Lebens aus. Jetzt ist es an der Zeit, sich endlich einmal in echt zu begegnen, doch als Sara in den USA angekommen ist, ist Amy bereits kurz zuvor verstorben.
Doch die Dorfgemeinschaft kümmert sich rührend um sie und Sara lebt erstmal in Amys Haus – umgeben von Amys Buchschätzen.

 

„[…] so viele Bücher, die sie niemals in die Hand nehmen würde, so viele Geschichten, die ohne sie weitergehen würden, so viele alte Autoren, die sie nicht wiederentdecken könnte. In dieser Nacht saß Sara viele Stunden in Amys Bibliothek und dachte darüber nach, wie tragisch es war, dass das geschriebene Wort unsterblich ist, der Mensch jedoch nicht […].“ S. 70

 

Da es in Broken Wheel keine Buchhandlung gibt, beschließt Sara einen Buchladen zu eröffnen und dort Amys Bücher zu verkaufen, damit diese noch weiteren Menschen Freude bereiten können.

 

„Während ein plötzlicher Regen gegen die Fensterscheiben prasselte, saß sie in den Büchern versunken da, umringt von den flüsternden Stimmen von hunderten von Erzählungen, die darauf warten, von den angehenden Lesern von Broken Wheel entdeckt zu werden.“ S. 128

 

Dieses Vorhaben wird von den Dorfbewohnern zunächst kritisch beäugt, können sie doch mit Lesen überhaupt nichts anfangen. Doch dann kommt doch der eine und andere in Amys Buchladen. Alles läuft gut, aber es dauert nicht mehr lange, bis Saras Visum auslaufen wird und sie zurück nach Schweden muss. Aber die Dorfbewohner haben da schon so eine Idee…

Die Geschehnisse des Romans werden immer wieder unterbrochen von dem früheren Briefwechsel zwischen Amy und Sara. Diese Briefe tragen dazu bei, besser zu verstehen, wie die Bewohner von Broken Wheel ticken – und wie Amy mit der Weisheit einer älteren Frau das Leben sieht.

 

„Ich nehme an, Leben und Kummer sind wie die Bauern und der Regen: Es ist wenig nötig, damit etwas wachsen kann, aber die richtige Menge, die bekommt man wohl nie. Und mann kann darüber reden, so viel man will, aber das macht nicht den geringsten Unterschied.“ S. 89

 

Katarina Bivalds Erzählstil ist sehr flüssig und lässt sich schnell und einfach lesen. Die Liebe zu Büchern ist in jedem Kapitel spürbar.

 

„,Merkst du das? Der Duft von neuen Büchern. Ungelesenen Abenteuern. Freunden, die man noch nicht kennengelernt hat, Stunden magischer Wirklichkeitsflucht, die auf uns warten.’“ S. 350

 

Es wird die personale Erzählperspektive verwendet, wobei man sich meist bei Sara befindet. Manchmal wechselt die personale Erzählperspektive aber auch zu den anderen Dorfbewohnern, die sich über Sara und ihren Buchladen Gedanken machen. Hierdurch wird der Erzählfluss einerseits ein wenig gestört, es bringt Unruhe in die Geschichte, aber sorgt damit auch ein bisschen Spannung.

Die vielen Dorfbewohner, die alle aus dem Nichts auftauchen, und alle ihr eigenes Päckchen Probleme mit sich herumtragen, sind allerdings auch sehr verwirrend für den Leser. Wer ist jetzt schon wieder das? Und was hat er mit der anderen Person zu tun? War das auch die Person, die…? Nein, anscheinend nicht. Aha, die beiden mögen sich also? Oder doch nicht? Hä?

Man verliert sehr schnell den Überblick, wer da jetzt noch mal mit wem verbandelt ist. Aber egal, Hauptsache sie lesen Bücher. Und Hauptsache die Bücher helfen ihnen, ihre Probleme zu lösen.

 

„Es gibt zwei Sorten von Menschen auf der Welt, […], die, die vorangehen und leben, und die, die ihnen hinterher trotten und über sie lachen.“ S. 424

 

Fazit: „Ein Buchladen zum Verlieben“ ist ein Wohlfühl-Buch für Bücherwürmer. Wenn Sara sich auf einen Sessel in ihren Buchladen setzt und stundenlang in einem Buch schmökert, möchte man sich am liebsten dazu setzen. Wenn ein Mensch in den Buchladen kommt und nach Buchtipps fragt, möchte man ihm am liebsten selbst welche geben.
Wer Bücher über Bücher mag, und wer die Vorstellung von Räumen voller Bücher liebt, ist hier genau richtig gelandet.

 

 

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Andy Weir – Der Marsianer

 

Klappentext:
Bei einer Expedition auf dem Mars gerät der Astronaut Mark Watney in einen Sandsturm und wird bewusstlos. Als er aus seiner Ohnmacht erwacht, ist er allein. Auf dem Mars. Ohne Crew. Die spektakulärste Rettungsmission um das Überleben eines einzelnen Menschen beginnt…

 

Der erste Satz:

„Ich bin so was von im Arsch.“ S. 9

 

Ich bin eigentlich kein Science-Fiction-Leser. Oder besser gesagt: Ich habe noch nie zuvor ein Science-Fiction-Buch gelesen. Ich treibe mich meistens eher in der Thriller-/Historische-Romane-/Gesellschaftsromane-Ecke herum und bin nie auf die Idee gekommen, auch mal im Science-Fiction-Bereich zu stöbern. Aber man soll ja immer offen sein für neue Genres und da „Der Marsianer“ auch bei vielen Normalerweise-lese-ich-kein-Science-Fiction-Lesern gut ankam und ich mich zudem auch sehr für Astronomie interessiere (warum bin ich bloß noch nie auf die Idee gekommen, einen SF-Roman zu lesen?), habe ich mich auch mal daran getraut.

Und… dieses Buch ist tatsächlich witzig.

Die Geschichte von Mark Watney, dem Astronauten der alleine auf dem Mars zurückgelassen wurde, wird anhand von Logbucheinträgen erzählt, in denen er dokumentiert, was er alleine auf dem Mars so treibt und was ihm dabei durch den Kopf geht. Die Logbuch-Einträge sind dabei aus der Ich-Perspektive geschrieben. Mark Watney ist ein ausgesprochen fröhlicher Charakter, der niemals der Trübsal bläst (und im Extremfall nur für wenige Minuten frustriert ist), sondern einfach auf humorvolle Art das Beste aus der Situation macht.

 

„Vielleicht fragen Sie sich, was ich sonst mit meiner Freizeit anfange. Einen großen Teil verbringe ich damit, faul herumzusitzen und fernzusehen. Aber das tun Sie ja auch, also urteilen Sie nicht zu streng über mich.“ S. 361

 

„Ich freue mich schon darauf, dass ich eines Tages Enkelkinder habe. ,Als ich jünger war, musste ich mal bergauf bis zu einem Kraterrand laufen! In einem EVA-Anzug! Auf dem Mars, ihr kleinen Scheißer! Habt ihr das gehört? Auf dem Mars.’“ S. 411

 

Die Logbucheinträge werden unterbrochen von Textpassagen mit einer auktorialen Erzählperspektive. So erfährt der Leser, wie die NASA entdeckt, dass Mark Watney noch auf dem Mars ist und was sie für Überlegungen anstellen, um ihn zurückzuholen, wie die Presse auf die Tatsache reagiert, dass ein Mensch auf dem Mars vergessen wurden, was seine Crew im Weltall so treibt, warum schon wieder irgendetwas exoplodiert ist, und was abseits von Mark Watney auf dem Mars so vor sich geht.

Das Buch lässt sich leicht lesen, allerdings geht es auch naturwissenschaftlich und technisch hoch her. Ständig wird irgendwas zusammen- oder auseinandergebaut und es wird gerechnet und gerechnet. Und ein Problem folgt dem nächsten. Auf fast 500 Seiten läuft einfach nichts glatt. Ich war irgendwann ziemlich genervt davon, dass schon wieder irgendwas kaputt gegangen ist / nicht funktioniert hat / in die Luft geflogen ist. Und obwohl Mark Watney derjenige war, der alles wieder zusammenbauen / sich einen Plan überlegen musste und dementsprechend die Arbeit hatte, während ich gemütlich auf meinem Bett lag und am Lesen war, empfand ich es trotzdem als ärgerlich und anstrengend. Aber vielleicht sind Science-Fiction-Bücher einfach so gestrickt. Das weiß ich nur nicht, da ich sie eigentlich nicht lese und somit keine Vergleichsmöglichkeiten habe.

Insgesamt hat mir „Der Marsianer“ aber gut gefallen. Er bringt alles mit, was einen guten Roman ausmacht: Man wird sofort mitten ins Geschehen geschmissen, die Geschichte ist außergewöhnlich, die Gegebenheiten interessant, die Charaktere warmherzig und oben drauf gibt es noch ein bisschen Situationskomik.

Er hat mich neugierig gemacht, auch mal andere Romane aus dem Genre zu lesen.

 

 

Buchblog_Rezension_Luanne Rice_Das Weihnachtswunder von New York

 

Luanne Rice – Das Weihnachtswunder von New York

 

Klappentext:
Jedes Jahr in der Adventszeit zieht es den Witwer Christy von seiner Farm in den Wäldern Kanadas in das hektische Manhattan. Dann nämlich verkauft er den New Yorkern seine geliebten Tannenbäume, die er in seiner Heimat züchtet. Früher einmal freute sich Christy auf die alljährliche Reise in die große Stadt, doch seit einigen Jahren fürchtet er sich davor: seit sein Sohn Danny nach einem bösen Streit die Familie verließ und in der Metropole verschwand. Doch in diesem Jahr wird alles ganz anders sein…

 

Der erste Satz:

„Den ganzen Sommer lang waren die Bäume gewachsen, standen hoch und weit verzweigt, die Wurzeln tief in der gehaltvollen Erde der Insel verankert, die Zweige zur goldenen Sonne emporgestreckt.“ S. 9

 

Wie jedes Jahr fährt Christy mit seiner Tochter Bridget von Kanada nach New York, um dort Weihnachtsbäume zu verkaufen, die sie das Jahr über auf ihrer kanadischen Farm züchten. Normalerweise ist jedes Jahr auch noch Sohn Danny dabei, aber mittlerweile ist er verschwunden, untergetaucht im Getümmel New Yorks. Sein Vater wollte, dass sein Sohn eines Tages die kanadische Farm übernimmt, Danny hat hingegen andere Pläne: Er möchte studieren und Meteorologe werden. Und sein Vater soll ihn bloß nicht davon abhalten.

Dann gibt es da auch noch Catherine. Ihr Mann ist vor einigen Jahren gestorben und in ihrer Trauer kümmert sie sich um den obdachlosen Danny.

Alles jetzt nicht soooo spannend: Bis auf wenige Szenen ist das Buch überwiegend langweilig. Die Charaktere sind eindimensional, die Geschichte schnell erzählt und natürlich von vornherein vorhersehbar.

Fazit: „Das Weihnachtswunder von New York“ ist eine klassische Weihnachtsgeschichte: Eine zerstrittene Familie findet wieder zusammen, jeder sieht seinen Fehler ein und ein bisschen schmalzige Liebe gibt es noch dazu. Eher keine Leseempfehlung!

 

 

Buchblog_Rezension_Emily St. John Mandel_Das Licht der letzten Tage

 

Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage*

 

Klappentext:
Niemand konnte ahnen, wie zerbrechlich unsere Welt ist. Ein Wimpernschlag, und sie ging unter. Doch selbst jetzt, während das Licht der letzten Tage langsam schwindet, geben die Überlebenden nicht auf. Sie haben nicht vergessen, wie wunderschön die Welt war. Sie vermissen all das, was einst so wundervoll und selbstverständlich war, und sie weigern sich zu akzeptieren, dass alles für immer verloren sein soll. Auf ihrem Weg werden sie von Hoffnung geleitet – und Zuversicht. Denn selbst das schwächste Licht erhellt die Dunkelheit. Immer.

 

Der erste Satz:

„Der König stand schwankend in einer Lache aus blauem Licht.“ S. 9

 

 

„Das Licht der letzten Tage“ ist eine Dystopie: Die Georgische Grippe löscht schätzungsweise 99 Prozent der Weltbevölkerung aus. Genau wissen das übrig gebliebenen Menschen aber nicht, da alle Kommunikationssysteme zusammengebrochen sind und die moderne Welt, wie wir sie kennen, nicht mehr existiert.

Die Geschichte beginnt mit einer Theatervorführung, in der der Schauspieler Arthur auf den Bühne zusammenbricht und stirbt.
Der erste Teil des Buches, der etwa 40 Seiten umfasst, beschreibt wie die Georgische Grippe ausbricht, wie immer mehr Menschen innerhalb einer sehr kurzen Inkubationszeit an ihr erkranken und schließlich sterben.

Der Roman nimmt rasant an Fahrt auf, es wird spannend und mitreißend – doch dann: CUT. Zeit- und Szenenwechsel. Wir befinden uns im Jahre 20 nach Epidemie, die Zeitrechnung wurde wieder auf 0 gesetzt. Eine Fahrende Symphonie reist umher. Aha. Und wie war das mit der Georgischen Grippe? Wie plötzlich alles zusammenbricht? Hat die Figur aus dem ersten Teil die Grippe überlebt? Die Fragen bleiben zunächst unbeantwortet. Es geht jetzt erstmal um andere Menschen in einer anderen Zeit. Die aufgebaute Spannung ist im Nu verpufft.

So geht es anschließend den gesamten Roman über: Es wird wild in der Zeit hin- und hergesprungen. Mal sind wir im Jahre 20 nach Georgischen Grippe, mal im Jahre 5, dann wieder mittendrin. Oftmals aber auch weit davor. Immer wieder wechseln die Figuren und die Kulissen. Die gesamte Geschichte mutet wie ein riesiges Chaos an. Vermutlich wäre es besser gewesen, die Geschichte chronologisch zu erzählen und vielleicht ein paar Rückblenden einzubauen.

Arthur, der gleich auf der ersten Seite des Romans stirbt, spielt eine zentrale Rolle in dem Roman. Ausführlich wird beschrieben, wie er seine Schauspiel-Karriere vorantreibt und schließlich berühmt wird. Wir lernen Ehefrau Nummer 1 kennen, die für Ehefrau Nummer 2 verlassen wird, welche wiederum Platz für Ehefrau Nummer 3 machen muss. Was hatte das gleich noch mit der Geogischen Grippe zu tun? Erstmal nichts.

Natürlich ist dann Arthur die Figur, an der am Ende des Romans alle Handlungsstränge wieder zusammenführen, aber trotzdem ist das Ganze nicht gut umgesetzt. Die ständigen Zeit- und Protagonistenwechsel nehmen eine aufgebaute Spannung immer wieder weg.

Emily St. John Mandels Schreibstil hat mir hingegen gut gefallen: Er ist wunderbar melancholisch und sehr passend zur Geschichte.

Fazit: Eine gute Idee, die schlecht umgesetzt wurde. Stellenweise ist das Buch echt gut, aber die vielen Zeit- und Protagonistenwechsel haben der Geschichte nicht gut getan.
 

 

Buchblog_Rezension_Jennifer Donnelly_Straße der Schatten

 

Jennifer Donnelly – Straße der Schatten*

 

Klappentext:
1890, New York City. Für Josephine Montfort, die aus einer wohlhabenden New Yorker Handelsfamilie stammt, scheint das Leben vorgezeichnet: Nach der Schule eine arrangierte Ehe, Kinder und ein ruhiges, häusliches Leben. Aber Josephine hat andere Pläne: Sie möchte als Journalistin auf das Leben der weniger Privilegierten aufmerksam machen. Doch eine Familientragödie reißt sie jäh aus ihren Träumen – ihr Vater stirbt zu Hause durch seine eigene Waffe. Josephine glaubt nicht an einen Unfall und der attraktive Journalist Eddie Gallagher bestärkt sie in ihrem Verdacht. Zu zweit beginnen sie eine Spurensuche, die sie in die zwielichtigsten und gefährlichsten New Yorker Viertel führt – und setzen dabei ihr eigenes Leben aufs Spiel…

 

Der erste Satz:

„Josephine Montfort starrte auf den frischen Grabhügel, auf das Holzkreuz und den Namen.“ S. 5

 

Die Geschichte beginnt im September des Jahres 1890: Protagonistin Jo, die aus einer sehr wohlhabenden New Yorker Familie stammt, befindet sich in einem Mädcheninternat und wird aufgrund eines Todesfalls in ihrer Familie nach Hause geholt. Ihr Vater hat sich beim Reinigen seines Gewehrs versehentlich selbst erschossen. Jo kann das nicht ganz glauben, ihre journalistische Neugier ist geweckt und macht sich auf die Suche nach Antworten. Hierbei begegnet sie Eddie, Reporter beim Standard, eine Zeitung, die ebenfalls ein Teil der Familieunternehmen ist und von ihrer Familie zensiert wird. Reporter Eddie ist dabei für Jo schnell mehr, als nur ein Reporter-Kollege.

Protagonistin Jo ist ein sehr beeindruckender Charakter: Sie interessiert sich nicht für Geld, sondern für Gerechtigkeit. Sie möchte keine Sicherheit, kein schönes Haus mit einem Schrank voller schöner Kleider, sondern etwas verändern. Sie träumt davon als Journalistin die Missstände innerhalb der Gesellschaft aufzudecken und darüber zu schreiben.

„Straße der Schatten“ ist ein historischer Wirtschaftskrimi: Die Ermittlungsarbeiten rund um den Tod von Jos Vater und die Machenschaften innerhalb der Familienunternehmen stellen den Hauptteil der Handlung dar. Die Liebesgeschichte zwischen Jo und Eddie, die aus verschiedenen Gesellschaftsschichten stammen und dementsprechend keine Zukunft miteinander haben, nimmt ebenfalls einen bedeutenden Teil der Geschichte ein.

Beide Geschichten sorgen für Spannung. Durch seine kurzen Kapitel von wenigen Seiten, und immer neue Erkenntnissen, die zu immer größeren Verstrickungen führen, lässt sich das Buch schnell durchlesen.

Donnellys Schreibstil ist sehr flüssig und leicht zu lesen, allerdings auch sprachlich schlicht gehalten. An manchen Stellen, in denen es um Eddies und Jos hoffnungslose Liebe geht, mutet die textliche Gestaltung teilweise leider etwas melodramatisch an. Zum Ende hin erschien mir zudem ein Teil der Geschichte als ein wenig zu konstruiert. Auch hatte man als Leser viel zu schnell eine Vermutung, wer der Täter ist.

Fazit: „Straße der Schatten“ ist dennoch ein spannender Krimi mit einer außergewöhnlichen und sehr sympathischen Protagonistin, eingerahmt in die Kulisse eines historischen New Yorks am Ende des 19. Jahrhunderts, wo finstere Gestalten an jeder Ecke lauern.

 

 

Buchblog_Modeblog_Bücher_gelesene Bücher_Lesemonat November 2015

 

Übersicht

Ewald Arenz – Der Duft von Schokolade: hier erhältlich

Katherine Webb – Italienische Nächte*: hier erhältlich

Katarina Bivald – Ein Buchladen zum Verlieben*: hier erhältlich

Andy Weir – Der Marsianer*: hier erhältlich

Luanne Rice – Das Weihnachtswunder von New York: hier erhältlich

Emily St. John Mandel – Das Licht der letzten Tage*: hier erhältlich

Jennifer Donnelly – Straße der Schatten*: hier erhältlich

Meine Leseeindrücke in Echtzeit gibt es übrigens immer auf Twitter.

*Kostenfreies Rezensionsexemplar: Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

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4 Gedanken zu “Der Lesemonat November 2015

  1. Ich liebe die Bücher von Jennifer Donnelly. Habe in letzter Zeit weniger gelesen, aber werde jetzt auch wieder mehr Zeit haben zu lesen und mir das Buch von ihr mal merken. Außerdem ist das Cover total schön 🙂
    Liebe Grüße
    Larissa

    Liken

  2. Danke für diese tolle Zusammenstellung. Habe gerade nicht so viel Zeit, wenn sich das aber wieder ändert, schnappe ich mir das ein oder andere hier vorgeschlagene Buch und lege los. Habe da schon was im Auge. 🙂

    Liken

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