Der Lesemonat Oktober 2015

Es ist jetzt zwar schon wieder Dezember, aber die Bücher, die ich im Oktober gelesen habe, haben natürlich trotzdem noch eine Blogvorstellung verdient. Jetzt ist auch meine Thesis endlich vom Tisch, deswegen habe ich wieder Zeit für Instagram, zum Lesen, Kochen und Fotografieren – und natürlich auch für dresses and places.

Im Oktober habe ich insgesamt sechs Bücher gelesen, darunter einen Gedichtsband. Geführt haben mich die Bücher nach Norwegen und Dänemark, Deutschland und Polen, Italien, England und in die USA. Ich war zweimal in Schriftstellerkreisen unterwegs, zweimal mit Mordermittlungen betraut und bin Zeuge des Holocausts geworden. Egal, wie häufig man etwas über Deportationen und Vernichtungslager liest, es bleibt einfach unfassbar und verstört einen immer wieder von Neuem.

 

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Jodi Picoult – Bis ans Ende der Geschichte*

 

Klappentext:
Sage Singer ist eine junge Bäckerin. Sie hat ihre Mutter bei einem Autounfall verloren und fühlt sich schuldig, weil sie den Wagen gelenkt hat. Um den Verlust zu verarbeiten, nimmt sie an einer Trauergruppe teil. Dort lernt sie den 90jährigen Josef Weber kennen. Trotz des großen Altersunterschieds haben Sage und Josef ein Gespür für die verdeckten Wunden des anderen, und es entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft. Als Josef ihr eines Tages ein lang verschwiegenes, entsetzliches Geheimnis verrät, bittet er Sage um einen schwerwiegenden Gefallen. Wenn sie einwilligt, hat das allerdings nicht nur moralische, sondern auch gesetzliche Konsequenzen. Sage steht vor einem moralischen Dilemma: Denn wo befindet sich die Grenze zwischen Hilfe und einem Vergehen, Strafe und Gerechtigkeit, Vergebung und Gnade?

 
Der erste Satz:

„Mein Vater wurde nicht müde, mir die Wünsche für seine eigene Beerdigung zu schildern.“ S. 7

 

Wie es typisch ist für Jodi-Picoult-Bücher, wird die Geschichte aus verschiedenen, sich abwechselnden Ich-Perspektiven erzählt. Aus der Überschrift und der Schriftart wird jeweils deutlich, welche der Personen gerade erzählt. Unterbrochen wird das Ganze zudem von einer Geschichte einer namenlosen Person, die man anfangs überhaupt nicht zuordnen kann.

Im ersten Teil des Buches kommen Hauptfigur Sage, eine sozial zurückgezogenen Bäckerin, zu Wort,

 

„Die Welt fühlt sich für diejenigen unter uns, die erst nach Einbruch der Dunkelheit lebendig werden, einfach anders an. Sie ist fragiler und in gewisser Weise irreal, so als wäre sie eine Antwort auf jene Welt, die alle anderen bewohnen.“ S. 27

 

außerdem Josef, einem 90-jährigen Mann, den sie in einer Trauer-Selbsthilfegruppe kennen lernt, und der ihr schließlich gegenüber zugibt, während des Nazi-Regimes Aufseher im KZ Auschwitz gewesen zu sein. Er erzählt Sage, wie er Teil der Nazi-Gräuel wurde.

 

„Unsere Schüsse hallten nach, und es gab ein Feuerwerk aus Blut und Gehirnmasse. Dann trat die nächste Reihe der Gefangenen vor den Graben. Diejenigen, die am Ende der Reihe standen, sahen, was sie erwartete.“ S. 185

 

Nachdem Josef Sage gegenüber gestanden hat, wer er ist, schaltet Sage ohne Josefs Wissen, die Polizei ein, von wo sie wiederum ans US-Justizministerium weitergeleitet wird. Hier trifft Sage auf Leo, der für das Aufspüren von Kriegsverbrechern des Zweiten Weltkriegs zuständig ist. Auch Leo kommt in der Geschichte eine Erzählperspektive zugute.

Der mittlere Teil des Buches wird aus der Sicht von Minka, Sages Großmutter und Holocaust-Überlebende, geschildert. Dieser Teil des Buches war der mitreißendste und emotional aufwühlendste.
Minka schildert wie sie mit ihrer Familie in einem polnischen Dorf aufwächst. Irgendwann werden sie aus ihrem Haus am Waldrand vertrieben und ins Ghetto von Lodz umgesiedelt. Zu menschenunwürdigen Bedingungen wird die jüdische Bevölkerung dort eingesperrt und nach für nach werden die alle Bewohner des Ghettos deportiert.

 

„Ende 1942 kannte jeder jemanden, der deportiert worden war.“ S. 306

 

Es geht das Gerücht um, dass die Deportierten vergast werden. Doch wirklich geglaubt wird das von den Zurückgebliebenen nicht. Dass Menschen so etwas Grausames tun, kann sich niemand vorstellen. Dann wird auch Minkas Mutter deportiert und ihre Familie erhält den Hinweis, sie sei vergast worden.

 

„Das Getto war eine Geisterstadt. Und wir darin ein besiegter grauer Strom von Arbeitern, ohne Verlangen, uns an unsere Vergangenheit zu erinnern, und ohne Hoffnung auf eine Zukunft. Es gab kein Gelächter mehr und kein Himmel-und-Hölle-Spiel. Keine Haarbänder, kein Kichern. Alle Farbe und alle Schönheit waren verschwunden.“ S. 320

 

„Eine Zeit lang verschwanden Leute aus dem Getto wie Fingerabdrücke von einer Glasscheibe: gerade noch eine geisterhafte Erscheinung – und gleich darauf verschwunden, als wären sie nie dagewesen. Der Tod lief neben mir her, wenn ich die Straße entlangtrottete, flüsterte mir ins Ohr, wenn ich mir das Gesicht wusch, umarmte mich, wenn ich vor Kälte zitternd im Bett lag.“ S. 324

 

Schließlich landen auch Minka und ihr Vater auf der Deportationsliste: Sie werden nach Auschwitz gebracht. Minka wird dort als Gefangene des Arbeitslagers ausgewählt und erfasst sehr schnell die Dimension des Ganzen.

 

„Hätte ich aufgeblickt, hätten sie mein Gesicht gesehen und gewusst, dass das, was man ihnen gleich sagen würde – dass die Dusche nur eine vorbeugende Maßnahme war, bevor man sie zum Arbeiten schickte -, eine Lüge war. Hätte ich aufgeblickt, wäre ich versucht gewesen, die Wahrheit herauszuschreien und ihnen zu sagen, dass der Geruch nicht aus einer Fabrik oder einer Küche kam, sondern von den eigenen Freunden und Verwandten, die eingeäschert wurden.“ S. 350

 

Fassungslos folgt man Minkas Geschichte. Es ist einfach unglaublich, dass so etwas wirklich passiert ist. Jodi Picoult bedient sich dabei einer sehr einfühlsamen und melancholischen Sprache, um das unbeschreibliche Entsetzen des Holocausts auszudrücken.

Der dritte Teil des Buches wird überwiegend aus Sages und Leos Sicht geschrieben.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Minka und Josef erzählen die Vergangenheit; sie erzählen jeweils ihre Sicht auf die Judenvernichtung. Sage und Leo erzählen die Gegenwart: Wie man heute rückblickend moralisch oder rechtlich über eine Zeit denkt, die man selbst nicht erlebt hat.
Es fällt schwer, so einen starken Roman zu kritisieren, aber besonders die Perspektive von Sage und ihr kompliziertes Privatleben hat mich stellenweise gelangweilt.

Abgesehen von diesem Kritikpunkt handelt es sich um ein weiteres Meisterwerk aus der Feder Jodi Picoults: „Bis ans Ende der Geschichte“ ist ein aufwühlender, schockierender, bildgewaltiger – aber vor allem lesenswerter Roman, über ein Thema, das wir nie vergessen dürfen.
 

 

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Safiye Can – Diese Haltestelle hab ich mir gemacht

 
Lyrik hat im deutschen Buchmarkt keine gute Stellung. Sehr viele Menschen schreiben Gedichte – lesen will sie keiner. Ich lese eigentlich sehr gerne Gedichte, aber es passiert selten, dass mir welche wirklich gefallen.
Bei einer Booktuberin wurde ich auf Safiye Cans Lyrikband „Diese Haltestelle hab ich mir gemacht“ aufmerksam und habe mir das Buch direkt gekauft.

Nicht jedes Gedicht hat mich angesprochen, aber es waren insgesamt sehr schöne Texte und in einigen Zeilen konnte ich mich wiederfinden.

 

„Im Epizentrum
stehen zwei Menschen
eng umschlungen, die
Menschenmenge zerstoben
kein Gestern, kein Übermorgen
wie viele Türen
sich auch schließen
neue
gehen auf.“ S. 13

 

Die Gedichte lassen sich überwiegend leicht lesen: Safiye Can benutzt viele Personfikationen, spricht Themen von jungen Erwachsenen an wie Abschied, das Gefühl von Verlorenheit und Ziellosigkeit und die Suche nach seinem Platz in der Welt.

 

„die Dächer regnen, die Straßen, die Läden
[…]
Regenschirme […]
verlieren das Gleichgewicht
Buchstaben […]
finden sich zu Wörtern zusammen“ S. 36f.

 

„Ich kam hierher, jetzt fahren Züge in mir
wenn man einmal liebt
fahren Züge immerdar.“ S. 65

 

„Meine Träume machen Grimassen
nachts
ich ziele mit dem Fotoapparat darauf“ S. 60

 

„ich verlor mich mal, andere verloren sich
und ich fand mich wieder, viele blieben verschollen
aus den Wörtern die richtigen zu fischen
darauf kommt es manchmal an.“ S. 61

 

„Sie dürfen das Buch nicht im Regal lassen
müssen es raustragen
aufklappen und all die Worte überall hinstreuen
auch die Punkte, auch die Semikolons.“ S. 75

 

Lyrik-Fans würde ich diesen Gedichtsband auf jeden Fall ans Herz legen. Safiye Cans Erstlingswerk „Rose und Nachtigall“ steht schon auf meiner Wunschliste.

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Holly McQueen – Mein glamouröses Doppelleben

 

Klappentext:
Isabel hat den langweiligsten Job der Welt: Für ein Lokalblatt misst sie die Länge von Artikeln in Tageszeitungen aus. Mit einem Holzlineal. Aber Isabel hat auch einen Plan: Sie will Karriere machen. Als Bestsellerautorin. Inklusive Partys, Talkshows, Designerklamotten und jeder Menge Verehrer. Die richtige Handtasche hat Isabel schon. Außerdem sind bereits drei Sätze geschrieben. Das Buch dürfte also kein Problem sein. Das erklärt sie auch dem Literaturagenten Joe, den sie ganz schön sexy findet. Doch dann taucht Joe bei einer Party in Begleitung von Isabels Intimfeindin Gina auf. Die ist bei ihm längst unter Vertrag – als Bestsellerautorin!

 

Der erste Satz:

„Himmel, bin ich inspiriert.“ S. 5

 
Isabel träumt von dem Ruhm einer Bestsellerautorin und ist überzeugt, der nächste große Star der Literaturszene zu werden. Immerhin hat sie schon drei Kapitel geschrieben. Da ist das restliche Buch ja ein Klacks! Also macht sie sich schon mal auf die Suche nach einem Verleger.

Protagonistin Isabel hat mich von ihrem Verhalten, ihren Gedanken und ihren Träumereien sehr an Sophie Kinsellas „Becky Bloomwood“ aus der Shopaholic-Reihe erinnert. Isabel ist, nun ja, nicht mit einem herausragenden Intellekt gesegnet. Manchmal hat mich das ein bisschen genervt, manchmal ist das aber auch sehr unterhaltsam. Das Buch ist ganz witzig, am Ende auch sehr süß; aber – wie es für Chick-Lit-Bücher typisch ist – sehr vorhersehbar, sehr leicht konstruiert und ohne Nachklang.

Fazit: „Mein glamouröses Doppelleben“ ist ein unterhaltsames Buch für zwischendurch, das man schnell durchgelesen hat.
 

 

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Sabine Thiesler – Bewusstlos

 

Klappentext:
Als Raffael erwacht, sind sein Bett und seine Sachen voller Blut. Er gerät in Panik, denn ihm fehlt jegliche Erinnerung an die vergangene Nacht. Es gelingt ihm nicht, herauszufinden, was passiert ist, aber wenn er getrunken hat, weiß er nicht mehr, was er tut. Mordet vielleicht, ohne es zu wissen. Von seinen Eltern, die in der Toskana leben, fühlt er sich verraten und verlassen. Die beiden führen ein glückliches Leben und ahnen nicht, dass er in ihrer Nähe ist und sie längst im Visier hat…

 
Der erste Satz:

„Er kam im Sommer.“ S. 9

 

Der Klappentext passt nicht ganz zum Roman: Zwar beginnt der Roman damit, dass Raffael verkatert aufwacht, seine Kleidung blutverkrustet ist und sein Taschenmesser fehlt – und er sich an nichts mehr erinnern kann. Allerdings ist dies nur der Auftakt des Romans, nicht jedoch sein Hauptthema.

Das Buch ist unterteilt in verschiedene Rahmenhandlungen mit den Namen „Christine“, „Lilo“, „Paola“ und „Raffael“. Warum diese Teile so heißen, wird erst im Laufe der Geschichte klar. Das Buch ist aus einer personellen Erzählperspektive beschrieben: Mal ist man ganz nah bei Raffael, mal ganz nah bei den Personen, die sich mit Raffael umgeben, und denen er suspekt ist. Dies ist eine gelungene Umsetzung: Einerseits lernt man Raffaels komplexen Charakter kennen, andererseits kann man sich als Leser von ihm distanzieren. Einzig in der Rahmenhandlung „Christine“ wird die Ich-Perspektive verwendet: Hier berichtet Raffaels Mutter Christine im Rahmen einer Befragung, wie sie die Geschehnisse erlebt hat.

Zu Beginn des Buches spielt die Geschichte in Berlin, wo Raffael lebt. Auf der Flucht vor der Polizei landet er schließlich in der Toskana, wo seine Eltern leben. Hierbei gelingt es Sabine Thiesler einerseits eine traumhafte italienische Kulisse zu schaffen, gleichzeitig aber auch für Grusel zu sorgen, wenn ein argloser Mensch mit einem Mörder durch die Straßen geht. Auch Thieslers unfähiger Ermittler Donato Neri, den man schon aus ihren bisherigen Büchern kennt, spielt in diesem Roman wieder eine Rolle.

Das Buch ist spannend und lässt sich flüssig lesen. Die einzelnen Kapitel sind kurz gehalten, Thieslers Schreibstil ist sehr schlicht und schnell zu lesen und es wird auf ausschweifende Beschreibungen verzichtet.

Während des Lesens hat mir das Buch wirklich gut gefallen – ich habe es innerhalb weniger Tages ausgelesen.
Jedoch hat ist das Ende meiner Meinung nach überhaupt nicht gut gelungen. Es kam sehr überraschend und wirkte so, als wenn die Autorin keine Lust mehr gehabt hätte, weiterzuschreiben. Oder keine Idee mehr gehabt hätte, wie man die Geschichte denn zu einem schlüssigen Ende bringen könnte. Sämtliche Handlungsstränge verliefen so ins Leere. Als Leser hatte man das Gefühl, etliche Seiten einfach umsonst gelesen zu haben.

Aus diesem Grund empfehle ich dieses Buch nur eingefleischten Thiesler-Fans.
Wer noch nie etwas von Sabine Thiesler gelesen hat, sollte zuerst ihre ersten Werke „Der Kindersammler“ oder „Hexenkind“ lesen: Dies sind sehr gut konstruierte Romane mit überraschenden, aber dennoch stimmigen Enden.

 

 

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Jostein Gaarder – Der Geschichtenverkäufer

 
Klappentext:
Ihm fliegt zu, was vielen Schriftstellern ständig ausgeht: Geschichten. Der Gedanke, selbst Schriftsteller zu werden, erscheint ihm absurd. Es drängt ihn einfach nichts ins Licht der Öffentlichkeit. Und so entscheidet er sich für eine Karriere hinter den Kulissen des Literaturbetriebs. Er wird Geschichtenverkäufer. Die Geschäftsidee ist neu, der Erfolg überwältigend. Seine Kundenkartei reicht vom Gelegenheitsdichter bis zum internationalen Großschriftsteller, doch jeder glaubt, der einzige Kunde des Geschichtenverkäufers zu sein. Eines Tages aber tauchen Gerüchte auf. Von der »Spinne« ist die Rede, einem geheimnisvollen Manipulator ganzer Autorenbiographien. Urplötzlich findet sich der Ideenlieferant in eine Geschichte verstrickt, die von ihm stammen könnte. Doch diesmal ist sie bitterböse Wirklichkeit. Und das Ende liegt keineswegs auf der Hand.

 

Der erste Satz:

„Mir raucht der Kopf.“ S. 7

 

Petter ist ein sehr fantasievolles Kind. So fantasievoll, dass er es langweilig findet, mit anderen Kindern zu spielen und sich stattdessen lieber mit seinen eigenen Gedanken beschäftigt.

In der Schule beginnt er, seine Hausaufgaben zu verkaufen. Er tauscht Aufsätze gegen Bonbons, später lässt er sich für sie bezahlen – mit Geld oder weiblicher Zuneigung.

So entsteht sein späterer Beruf: Geschichtenverkäufer.
Er verkauft Autoren, die keine Ideen haben, seine Ideen. Was mit dem Verkaufen von Hausaufgaben begann, wird irgendwann zu einem international florierenden Geschäft. Auf den gesamten Buchmessen der Welt finden sich Romane wieder, die anhand eines von ihm verkauften Handlungsplots geschrieben wurden. Und jeder Autor denkt anscheinend, er wäre Petters einziger Kunde. Bis irgendwann in der Literaturszene Gerüchte auftauchen, dass es jemanden gäbe, der den Autoren Geschichten verkaufe, dass sich die Bestseller-Autoren ihre Geschichten überhaupt nicht selbst ausgedacht hätten. Petter muss fürchten, ermodert zu werden.

Anfangs fand ich das Buch sehr vielversprechend: Petter ist ein beeindruckender, außergewöhnlicher Protagonist. Fasziniert verfolgt der Leser, was Petter für Ideen hat und wie er seine Einfälle erhält.

Ab einem gewissen Punkt, habe ich allerdings angefangen, Petter nicht zu mögen: Er ist überheblich und vertritt die Meinung, die meisten Möchtegern-Schriftsteller sind ideenlose, undisziplinierte Taugenichtse.

 

„Vielen angehenden Autoren fehlte es an etwas so Grundlegendem wie Lebenserfahrung. Der Glaube, man könne erst schreiben und später leben, ist ein postmodernes Missverständnis. Dennoch wollen viele junge Leute vor allem Schriftsteller werden, um ein Schriftstellerleben führen zu können.“ S. 155

 

„Die Kritiker gehen einfach wie selbstverständlich davon aus, dass Autoren ebenso gelehrt und phantasielos sind wie sie.“ S. 159

 

Er hingegen ist natürlich großartig. So großartig, dass er es überhaupt nicht nötig hat, ein Schriftsteller zu sein.
Obwohl das Buch mit 271 Seiten nicht sonderlich umfangreich ist, kommt der Handlungsplot oft langatmig daher. Es fehlt die Spannung sowie die Sympathie für den Protagonisten. Außerdem wurden die Geschehnisse immer wieder von Kurzgeschichten unterbrochen: Geschichten, die sich Petter ausgedacht hat. Da ich nicht so gerne Kurzgeschichten lese, hat mich das ziemlich genervt.
Auch das Ende des Buches war nicht besonders originell und sehr vorhersehbar. Hier bleibt unklar, ob der Autor das absichtlich so konstruiert hatte – oder ob er wirklich der Meinung war, dies wäre ein gelungenes, überraschendes Ende.

Alles in allem lässt mich das Buch zwiegespalten zurück: Einerseits beinhaltet das Buch eine außergewöhnliche Geschichte mit einem faszinierenden Protagonist, andererseits konnte mich der Roman nicht mitreißen. Aus diesem Grund gebe ich nur eine eingeschränkte Leseempfehlung: Wer sich für Schriftstellerpersönlichkeiten interessiert, für den könnte das Buch interessant sein. Alle Übrigen werden sich beim Lesen vermutlich eher langweilen.

 

Der schönste Satz:

„Zeit brauchen wir schließlich vor allem, um das kennenzulernen, was uns nicht gefällt.“ S. 219

 

 

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Julie Hastrup – Blut für Blut

 

Klappentext:
Die bekannte Sozialarbeiterin Kissi Schack wird brutal misshandelt und ermordet aufgefunden. Gleichzeitig erschüttert eine Serie bestialischer Vergewaltigungen Kopenhagen, die große Ähnlichkeit mit einem früheren Verbrechen hat. Rebekka Holm ermittelt zusammen mit ihren Kollegen Reza Aghajan und Niclas Lundell in zwei Fällen, die sich mit Fortschreiten der Ermittlungen allmählich zu einem nicht enden wollenden Albtraum verflechten…

 

Der erste Satz:

„Liebes Tagebuch, Charlotte ist tot.“ S. 5

 

Nachdem mir der erste Band der Rebekka-Holm-Serie so gut gefallen hat, musste auch schnell der zweite Teil her und gelesen werden.

„Blut für Blut“ handelt von den Mordermittlungen im Fall Kissi Schack, einer brutal ermoderten Sozialarbeiterin, die überall sehr beliebt gewesen war. Außerdem ermittelt das Team rund um Rebekka Holm nach einem Serienvergewaltiger. Unterbrochen werden die einzelnen Kapitel von Tagebucheinträgen aus den Jahre 1988 und den darauffolgenden Jahren, die von der Trauer um eine ermordete Schwester handeln.
Inwieweit der Mord an Kissi Schack, die Serienvergewaltigungen und die Tagebucheinträge über den Mord in den 80er Jahren zusammenhängen, wird erst zum Ende des Krimis klar.

Am Anfang fehlte mir ein bisschen die Spannung, was auch damit zusammenhing, dass die Mordermittler zunächst nicht weiterkamen bei der Frage, wer denn Kissi Schack ermordet haben könnte. Niemand scheint ein Motiv zu haben.
Die Kapitel sind kurz gehalten, springen zwischen verschiedenen Personen hin und her und sind schnell zu lesen.
Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen: Die Auflösung war überraschend und gut konstruiert.
Hastrups erstes Buch „Vergeltung“ hat mir jedoch einen Tick besser gefallen.
 

 

Buchblog_gelesene Bücher_Oktober_2015_Bücherregal_Bücherstapel

 

ÜBERSICHT

Julie Hastrup – Blut für Blut: hier erhältlich

Holly McQueen – Mein glamouröses Doppelleben: hier erhältlich

Safiye Can – Die Haltestelle hab ich mir gemacht: hier erhältlich

Jostein Gaarder – Der Geschichtenverkäufer: hier erhältlich

Sabine Thiesler – Bewusstlos: hier erhältlich

Jodi Picoult – Bis ans Ende der Geschichte*: hier erhältlich

 
 

*Kostenfreies Rezensionsexemplar: Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

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7 Gedanken zu “Der Lesemonat Oktober 2015

  1. Deine Bücher Review ist ja super ausführlich – sehr schön und abwechslungsreiche Lesetipps!
    Liebe Grüße, Mona von Belle Mélange

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  2. Zur Zeit komme ich kaum zum Lesen, aber grapes of wrath liegt hier bereit 🙂
    Deine Auswahl klingt super und auch sehr vielseitig, vielleicht kommt da das ein oder andere Buch auch noch auf meine Liste 🙂

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  3. Band zwei war auch der, der mir am wenigsten gefallen hat – freu dich auf Band drei! Aber lies den Klappentext nicht!! Weil der verrät eindeutig zu viel…schöne Bücher, aber keins, was mich jetzt direkt reizen würde, glaube ich. Mit Jodi Picoult kann ich mich nicht so ganz anfreunden – ein paar Bücher gefallen mir richtig gut, andere gar nicht, weil die Geschichten zu merkwürdig konstruiert sind. Hast du jemals Beim Leben meienr Schwester gelesen? Das ist glaube ich eins der wenigen Bücher, bei denen mir der Film viel besser gefallen hat 😀

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    1. Ich habe schon einige Bücher von Jodi Picoult gelesen, auch „Beim Leben meiner Schwester“, was tatsächlich mein allererstes Buch von ihr war. Ihre Bücher waren bisher immer 4- oder 5-Sterne-Bücher für mich. Ich bin also eher der Jodi-Picoult-Fangemeinde zuzuordnen 😀

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