Der Lesemonat September 2015

Im September habe ich soviel gelesen, wie schon lange nicht mehr. 8 Bücher an der Zahl, von denen mir sieben sehr gut gefallen haben.

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Gerritsen_Grabesstille

 

Tess Gerritsen – Grabesstille

 

Klappentext:
Jahraus, jahrein werden sie an den schrecklichen Tag erinnert, dass in einem Restaurant in Chinatown ein Amokläufer ihre Angehörigen hinrichtete. Doch wer schreibt die Briefe, die besagen, dass der wahre Täter noch immer nicht gefasst sei? Erst als zwei Jahrzehnte später bei einer Stadtführung durch Boston die Leiche einer Frau gefunden wird, die mit einem chinesischen Ritualschwert verstümmelt wurde, wird der alte Fall wieder aufgerollt. Und nicht immer haben Jane Rizzoli und Maura Isles bei den Ermittlungen das Gefühl, es mit einem leibhaftigen Gegner aus Fleisch und Blut zu tun zu haben…

 

Der erste Satz:

„Den ganzen Tag schon beobachte ich das Mädchen.“ S. 9

 

„Sie schreibt knallharte Thriller, unter die Haut gehende Krimis und gilt international als Meisterin der Spannung“, schreibt der Verlag. Vollkommen richtig: Tess Gerritsens Thriller strotzen nur so vor Action, Spannung und gut recherchierten Hintergrundwissen. Einmalig in der Thrillerlandschaft sind die Bücher vor allem aufgrund ihrer gerichtsmedizinischen Details. Die Ermittler sind trotzdem so wunderbar nahbare Menschen, die verzweifelt nach Perfektion streben, und trotzdem Fehler begehen.

„Grabesstille“ bildet da keine Ausnahme und liefert uns einen verworrenen Kriminalfall aus Bostons Chinatown.
Einziges Manko: In dem Buch ging es stellenweise sehr ausführlich um chinesische Kampfkunst.

Fazit: Dieses Buch ist ein gut konstruierter und spannender Thriller. Zwar nicht Tess Gerritsens stärkstes Werk, aber für Fans der Rizzoli-und-Isles-Reihe ein weiteres Lesemuss.

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Kinsella_Schau mir in die Augen Audrey

 

Sophie Kinsella – Schau mir in die Augen, Audrey*

 

Klappentext:
Ihr Bruder ist ein Computernerd, ihre Mutter eine hysterische Gesundheitsfanatikerin und ihr Vater ein charmanter, ein bisschen schluffiger Teddybär. Doch damit nicht genug – Audrey schleppt noch ein weiteres Päckchen mit sich herum: Nämlich ihre Sonnenbrille, hinter der sie sich wegen einer Angststörung versteckt. Bloß niemandem in die Augen schauen! Als sie eines Tages auf Anraten ihrer Therapeutin beginnt, einen Dokumentarfilm über ihre verrückte Familie zu drehen, gerät ihr immer häufiger der gar nicht so unansehnliche Freund ihres großen Bruders vor die Linse – Linus. Und langsam bahnt sich etwas an, was viel mehr ist, als der Beginn einer wunderbaren Freundschaft…

 

Der erste Satz:

„Oh Gott.“ S. 7

 

Erfolgsautorin Sophie Kinsella ist bekannt für ihre chaotischen, aber dennoch sehr, sehr liebenswerten Charaktere in ihren Frauenromanen. Auch ihr Jugendroman „Schau mir in die Augen, Audrey“ ist geprägt von diesem Markenzeichen.

Die 13-jährige Audrey lebt zusammen mit ihren Brüdern, dem 15-jährigen Frank und dem vierjährigen Linus, und ihren Eltern unter einem Dach. Ihre Familie ist sehr liebenswert, aber nun ja… auch ein bisschen außergewöhnlich und chaotisch. Insbesondere ihre Mutter neigt zu hysterischen Anfällen, ihr Bruder hingegen zu einer Mir-egal-Mentalität. Das führt dazu, dass der Haussegen öfters mal schief hängt und irrsinnige Streits vom Zaun gebrochen werden.

Dazu kommt, dass Audrey momentan nicht zur Schule geht. Aufgrund eines „Vorfalls“ – wie sie es selbst bezeichnet – befindet sie sich momentan in Therapie und wurde erstmal von der Schule genommen. Audrey leidet nämlich unter einer Angststörung verbunden mit einer Depression. Sie geht nicht aus dem Haus und versteckt sich sogar daheim nur hinter ihrer Sonnenbrille. Sie kann niemandem in die Augen schauen.

Von ihrer Therapeutin bekommt Audrey eines Tages die „Hausaufgabe“, ihr Familienleben zu dokumentieren und es durch eine Kameralinse zu betrachten.
Und außerdem gibt es da auch noch Linus, ein Freund ihres Bruders, der öfters mal bei ihnen zu Hause herumschleicht…

Die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive von Audrey geschrieben. Dabei bedient sich Kinsella einer lockeren und gut lesbaren Sprache und versteht es treffend, Situationskomik zu schaffen. Die einzelnen Kapitel werden stellenweise von einem Filmskript unterbrochen, in denen in Form eines Drehbruchs beschrieben wird, was in der Familie so vor sich geht. Besonders diese Videos sorgen für reichlich Lesespaß. Durch die unbeantwortete Frage, was mit Audrey eigentlich passiert ist, kommt auch die Spannung nicht zu kurz. Die eingebaute Liebesgeschichte ist sehr süß und kein bisschen kitschig.

Fazit: Wirklich ein sehr, sehr süßes Buch, das uns zeigt, dass man auch bei tragischen Erlebnissen nie seinen Humor verlieren sollte. Und dass alles irgendwann wieder gut werden wird.
Der schönste Satz:

„,Aber so ist das Leben, Audrey’, sagt sie. ,Wir haben alle eine Linie in unserem Diagramm, die mal nach oben, mal nach unten ausschlägt. […] Sie geht ein Stückchen hoch, dann wieder ein Stückchen runter. Das ist das Leben.’“ S. 351

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Der gute Psychologe

 

Noam Shpancer – Der gute Psychologe*

Klappentext:
Er ist Psychologe, sein Spezialgebiet die Angst. Am Tag praktiziert er, am Abend erklärt er Studenten, was eine gute Therapie ausmacht. Als er wenig begeistert eine Nachtclubtänzerin mit Auftrittsphobie als Klientin annimmt, ahnt er nicht, wie sehr deren Probleme und Geheimnisse auf sein eigenes Leben abstrahlen werden. Denn plötzlich ist er gezwungen, sich mit seinen unausgesprochenen Ängsten und einer wehmütigen Liebe auseinanderzusetzen.

 

Der erste Satz:

„Der Psychologe sitzt in seinem kleinen Sprechzimmer, stützt die Ellbogen auf den Schreibtisch, vergräbt das Gesicht in den Händen und wünscht sich, sein Vier-Uhr-Termin würde nicht erscheinen.“ S. 9

 

In diesem Buch begleitet der Leser das Leben eines namenlosen Psychologen, der vom Erzähler stets nur als „Der Psychologe“ bezeichnet wird.

Sein Leben gliedert sich in drei Bereiche: seine Arbeit in seiner Praxis, wo er Klienten mit Angststörungen therapiert; seine Arbeit als Universitäts-Dozent, bei der er Psychologie-Vorlesungen hält und mit Studenten ins Gespräch kommt; und sein Privatleben, welches durch eine unerfüllte Liebe geprägt ist.

Normalerweise bietet der Psychologe nach 15 Uhr keine Therapie-Termine in seiner Praxis mehr an, aber für eine Striptease-Tänzerin, die unter einer Auftrittsphobie leidet, macht er eine Ausnahme. Dieser Striptease-Tänzerin wird im Roman eine bedeutende Rolle zuteil, führt sie dem Psychologen doch sein unerfülltes Privatleben vor Auge.

Kapitelweise wird zwischen diesen drei Lebensbereichen hin und hergewechselt. Hierbei bedient sich der Autor eines gehobenen Sprachniveaus und nutzt viele psychologische Fachbegriffe, dennoch ist das Buch leicht und zügig lesbar.

„Der gute Psychologe“ ist eher ein Sachbuch in Roman-Form. Wenn der Psychologe Vorlesungen hält, wird der Leser zum Studenten, der ebenfalls im Hörsaal sitzt und gebannt zuhört; führt er Therapiesitzungen durch, wird der Leser zum Beobachter und bekommt einen Einblick in den therapeutischen Gesprächsablauf. Die eigentliche Geschichte des Romans – das Privatleben des Psychologen – wird zur Nebensache.

„Spannend“ ist somit nicht das richtige Wort für dieses Buch. „Interessant“ trifft es wohl besser. Denn wer sich für Psychologie, wie sie an Universitäten gelehrt wird, und psychologische Gesprächstherapie interessiert, kommt in diesem Buch voll auf seine Kosten.

Fazit: Für Psychologie-Interessierte ist dieses Buch sehr lesenswert.

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Abulhawa_Als die Sonne im Meer verschwand

 

Susan Abulhawa – Als die Sonne im Meer verschwand*

 

Klappentext:
In Amerika aufgewachsen, kennt die Palästinenserin Nur die malerischen Dörfer ihrer Heimat bloß aus den Erzählungen ihres Großvaters. Doch dann trifft sie Jamal, der als Arzt in Gaza arbeitet und sie dorthin einlädt. Zum ersten Mal reist Nur zu ihrer Familie und erlebt, wie eng deren Geschichte mit der Israels und Palästinas verflochten ist. Sie ist überwältigt von den Eindrücken, erfährt aber auch eine bittere Wahrheit über Jamal. Stehen lediglich die strengen Regeln seiner Kultur zwischen ihnen? Nur muss herausfinden, wohin sie und ihre Liebe gehören.

 

Der erste Satz:

„Von allem, was in Gaza verschwand, fehlten mir die Überraschungseier am meisten.“ S. 7

 

„Als die Sonne im Meer verschwand“ ist ein Roman über eine palästinensische Flüchtlingsfamilie, der über drei Generationen hinweg spielt. Die Geschichte beginnt im Jahr 1948, als das palästinenische Dorf Beit Daras von israelischen Soldaten überfallen wird und Nazmiyyas Familie fliehen muss. Ihre Schwester und ihre Mutter kommen bei der Flucht um, ihr Bruder wird angeschossen und Nazmiyya mehrmals vergewaltigt. Nazmiyya lebt von da an in einem Flüchtlingslager in Gaza, wo auch ihre Kinder und Enkelkinder geboren werden und aufwachsen. Ihr Bruder geht dagegen zuerst nach Kuwait und dann in die USA, sodass dessen Enkeltochter Nur in Amerika aufwächst.

 

„Das Schicksal war zersprengt, und einige Teile gingen auf der anderen Seite des Atlantiks und des Pazifiks verloren.“ S. 89

 

Die Menschen in Gaza kämpfen um ihr Überleben: Hunger und Elend sind allgegenwärtig und der Tod lauert an jeder Ecke.

Nur wächst dagegen in der wohlhabenden und sicheren westlichen Welt auf und hat scheinbar alles, was ihrer Verwandtschaft in Gaza fehlt. Doch fühlt sie sich vollkommen entwurzelt, ihre palästinensischen Verwandten väterlicherseits sind allesamt gestorben, ihre spanischen Verwandten mütterlicherseits kümmern sich nicht um sie. Sie wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie geschoben und stößt wegen ihrer muslimischen Religion auf große Ablehnung in einer Gesellschaft, in der der Großteil dem Christentum angehört.

Als erwachsene Frau reist Nur schließlich nach Gaza, um sich um einen Patienten im Wachkoma zu kümmern. Dabei trifft sie auf ihre Familie väterlicherseits, die seit Generationen in einem Flüchtlingslager in Gaza lebt.

 

 

„Jeden Abend, wenn Nur meine Schwester Rhet Shel ins Bett brachte, zog Teta Nazmiyya den Himmel zurecht, und Mama stickte die Sterne und den Mond darauf. Und am Morgen, wenn Rhet Shel erwachte, hängt sie die Sonne auf. So war es, als Nur zurückkam.
Das waren die Frauen in meinem Leben, die Lieder meiner Seele.
Die Männer, die sie liebten, waren alle auf die eine oder andere Art verloren, bis auf mich. Ich blieb, so lange ich konnte.“ S. 9

 

Der erste Teil des Buches handelt überwiegend von der Vertreibung der Palästinenser aus ihren Dörfern, dem Krieg zwischen den Israel und Palästina, und der Einlebung im Flüchtlingslager. Im zweiten Teil des Buches steht das arabische Familienleben im Vordergrund.

 

„Ohne dass es den zänkischen Frauen bewusst gewesen wäre, schweißte Haja Nazmiyya sie zu einer verschworenen Gemeinschaft zusammen, die in schweren Zeiten füreinander einstand; etwa in dem Moment, als Haja Nazmiyya die Nachricht vom Ableben des Bruders bekam, oder auch später, als der Himmel einstürzte und der Tod auf ihre Dächer hinabregnete.“ S. 17

 

 

Wenn die arabische Familie kocht und reihenweise köstlich klingender Gerichte auftischt, wäre ich am liebsten dabei gewesen und hätte mit ihnen gegessen.

Abulhawas Roman ist gekennzeichnet durch eine poetische Schreibweise, die die Tragik der Geschichte unterstreicht.

 

„Wir waren in Gaza eingeschlossen. Von anderthalb Millionen Menschen gelangten jeden Tag höchstens fünf oder sechs nach Ägypten und wieder zurück. Das Elend ergoss sich auf die Straßen und gärte noch jahrelang in der heißen Sonne vor sich hin.“ S. 353

 

Der englische Originaltitel „The Blue Between Sky and Water“ trifft es sehr viel besser als die deutsche Übersetzung „Als die Sonne im Meer verschwand“. Denn dieses Blau zwischen Himmel und Wasser wird in dem Roman öfters thematisiert. Außerdem könnte ich mir auch gut vorstellen, dass dieser poetische Titel auch im deutschen Buchmarkt gut ankommen würde, zumal es sich um ein sehr emotionales und aufwühlendes Thema handelt.

Im Gegensatz zu ihrem ersten Werk „Während die Welt schlief“, welches auch die israelische Perspektive auf den Nahost-Konflikt beleuchtete, ist „Als die Sonne im Meer verschwand“ rein aus palästinenischer Perspektive geschrieben und zudem vermutlich sehr autobiografisch, da die Autorin selbst Palästinenserin ist und in Flüchtlingslagern im Nahen Osten aufwuchs.

 

„Teta Nazmiyya spürte, dass Palästina immer weiter in die Ferne rückte, während Israel immer näher kam. Sie besetzten die Hügel und bauten rein jüdische Siedlungen auf den fruchtbarsten Boden. Sie entwurzelten die eingeborenen Lieder und pflanzten Lügen in die Erde, die zu einer ganz neuen Geschichte heranwachsen sollten.“ S. 81

 

Während die Autorin in ihrem ersten Buch willkürlich die Erzählperspektiven wechselte, ist dieses Buch deutlich strukturierter. Die Sprache ist gewählter und driftet nicht ins Schwülstige, wie es bei „Während die Welt schlief“ stellenweise der Fall war.

Das Buch ist durchaus interessant und seine Geschichte einzigartig in der Literaturwelt.
Doch es fehlt der rote Faden, die Geschichte wirkt wie eine ungeordnete Erzählung von bestimmten Geschehnissen. Es ist schwer, sich all die arabischen Namen zu merken, vor allem da sich diese Namen durch Heirat, Geburten etc. ständig ändern. Ein detailliertes Personenverzeichnis wäre hier gut gewesen.

Außerdem hat der Name „Nur“ den Erzählfluss sehr gestört. Besonders wenn der Name am Satzanfang stand, bin ich häufig über ihn gestolpert und musste den Satz noch einmal lesen. Im Deutschen wird das Wort „Nur“ eben nicht zuerst als ein Name wahrgenommen. Hier hätte man für die deutsche Übersetzung besser einen anderen Namen wählen sollen, beispielsweise den ebenfalls arabischen Namen „Noor“.

Fazit: „Als die Sonne im Meer verschwand“ kommt zwar nicht als Abdulhawas erstes Werk „Während die Welt schlief“ heran, aber es ist trotzdem ein außergewöhnlicher Roman eingerahmt mit einem wunderschönen Schreibstil und einer interessanten Erzählperspektive mit einem Hauch von Mystik.

Wer sich für den Nahostkonflikt interessiert, für die arabische Kultur oder das Leben in Krisengebieten und Flüchtlingslagern, wird bestimmt Gefallen an dem Buch finden.

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Beil_So friedlich das Meer

 

Brigitte Beil – So friedlich, das Meer*

 

Klappentext:
„Immer schön locker bleiben“, empfiehlt Ilaria Costa ihrer Tochter, als sie erfährt, dass Camilla eine Affäre mit einem verheirateten Mann hat. In Italien eine alltägliche Sache. Obwohl Camilla eigentlich nicht in die Rolle der Gespielin auf Zeit passt, lässt sie sich, kaum dass sie ihren Job bei einer renommierten Vicentiner Werbeagentur angetreten hat, auf eine prickelnde Liaison mit ihrem Chef ein. Ein Rausch, der jäh endet, als dieser sie schnöde abhalftert. Camilla kennt die Spielregeln, verwindet die massive Kränkung – vermeintlich. Jahre später, sie ist längst glücklich verheiratet, holt die Geschichte sie wieder ein. Und urplötzlich springt sie der Verdacht an, Gianni, ihr geliebter Mann, könnte das übliche Spiel ebenfalls betreiben …

 

Der erste Satz:

„Dieser Duft.“ S. 7

 

Zugegeben: Es war einmal wieder das schöne Cover, das mich auf das Buch aufmerksam gemacht hat. Ich dachte an einen interessanten, kurzweiligen Roman, mit einem Spritzer Dolce Vita und Bella Italia als Kulisse. Pustekuchen! Das Buch ist wahnsinnig langweilig, einfach nur überzogen und uninteressant. Das, was man schon aufgrund des Klappentextes sowieso schon weiß, wird auf über 100 Seiten breit getreten, und das Verhalten der Protagonistin in keiner Weise nachvollziehbar.

Zudem hat mir die Ich-Perspektive zu schaffen gemacht. Dadurch wird eine gewisse Nähe zwischen Leser und Erzähler suggeriert, die man aufgrund Camillas abstrusen Gedankenwelt gar nicht haben möchte. Ich konnte mich überhaupt nicht mit ihr identifizieren und das hat das Lesen des Buches sehr unangenehm für mich gemacht.

Außerdem hat mich die ständige Verwendung der italienischen Vokabeln gestört. So wurde statt Handy das Wort „telefonino“ verwendet, sodass Sätze entstanden á la „Er nahm sein telefonino in die Hand.“. Oder das Wort „agenzia“ statt Agentur: „Sie machte sich auf den Weg in die agenzia.“ Ich frage mich wirklich, was das sollte. Wollte die Autorin mit ihrem italienischen Wortschatz angeben?

Außerdem waren Camillas Deutschkenntnisse, die sie sich angeblich nur innerhalb eines Sommerkurses angeeignet haben sollte, völlig unrealistisch. Deutsch als germanische Sprache und Italienisch als romanische weisen doch deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer Grammatik auf – was es schwierig macht, die jeweils andere Sprache zu lernen. Deutsch ist zudem eine wirklich komplizierte Sprache, von daher wäre es ein Wunder, wenn sich Camilla in Deutschland tatsächlich so gut wie ein Muttersprachler verständigen könnte.

Die letzten paar Seiten sind zwar sehr überraschend, aber sie machen trotzdem nicht 350 Seiten Langeweile wett.

Aber vielleicht gehöre ich auch einfach zu der Zielgruppe des Romans. Vielleicht ist es eher für Frauen geschrieben, die Mann und Kinder haben und zu Eifersuchtsanfällen neigen.

Fazit: Das schönste an diesem Buch war definitiv die Beschreibung des italienischen Essens. Keine Leseempfehlung!

 

Der schönste Satz:

„Wir gingen erst in eine Bar, dann in eine zweite, und als auch die schloss, streiften wir durch die ausgestorbenen Straßen, bis sich das erste gebrochene Morgenlicht eines trüben Oktobertages am Horizont zeigte.“ S. 150

 

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Charlotte Link_Die Betrogene

 

Charlotte Link – Die Betrogene*

 

 

Klappentext:
Um ein glückliches Leben betrogen – so fühlt sich Kate Linville, Polizistin bei Scotland Yard. Kontaktscheu und einsam, gibt es nur einen Menschen, den sie liebt: ihren Vater. Als dieser in seinem Haus grausam ermordet wird, verliert Kate ihren letzten Halt. Da sie dem alkoholkranken Ermittler vor Ort nicht traut, macht sie sich selbst auf die Spur dieses mysteriösen Verbrechens. Und entlarvt die Vergangenheit ihres Vaters als Trugbild, denn er war nicht der, für den sie ihn hielt.

 

Der erste Satz:

„Es war noch heiß, wie im Sommer.“ S. 5

 

Verschiedene Personen, die zunächst scheinbar nichts miteinander zu tun haben, bis die verschiedenen Handlungsstränge sie im Laufe des Buches raffiniert zusammenführen. Das ist das Markenzeichen von Charlotte Links Kriminalromanen.  Sie beherrscht es meisterlich, den Leser auf eine falsche Fährte zu locken und gehört schon seit Jahren zu meinen Lieblingsautoren.

In ihrem neusten Roman serviert uns Frau Link einen brutal ermordeten pensionierten Polizisten, dessen frustrierte, alleinstehende Tochter, die sich in die Ermittlungsarbeit einmischt, dazu einen alkoholkranken Ermittler, ein mittelständisches urlaubsreifes Ehepaar und einen kürzlich entlassenen Sträfling. Was diese Personen miteinander zu tun haben, wird erst im Laufe der Geschichte klar.

Links Schreibstil ist klar und flüssig und das Buch lässt sich zügig lesen. Die wechselnden Protagonisten sind sehr gut charakterisiert und die verschiedenen Handlungsstränge sorgen für enorme Spannung. Die Auflösung ist nicht überkonstruiert, jedoch ab einem bestimmten Punkt vorhersehbar.

Gut gefallen hat mir außerdem, dass Link nicht kapitelweise in die Ich-Perspektive gewechselt ist, was beispielsweise in ihrem zuvor erschienenen Roman „Im Tal des Fuchses“ des Lesefluss erheblich gestört hat. Zudem hat sie endlich mal darauf verzichtet, eine schwülstige Liebesgeschichte in ihre Kriminalgeschichte mit einzubauen. Meiner Meinung nach eine sehr weise Entscheidung!

Fazit: „Die Betrogene“ ist ein spannender Kriminalroman. Für Krimi-Fans defintiv empfehlenswert.

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Evans_Die Kleiderdiebin

 

Natalie Meg Evans – Die Kleiderdiebin*

 

Klappentext:
Paris in den 30er-Jahren: Die junge Telefonistin Alix Gower träumt davon, die glamouröse Welt der Haute Couture zu erobern. Der charmante und gut aussehende Paul verschafft ihr die Chance ihres Lebens – eine Anstellung in einem der berühmtesten Modehäuser der Stadt, allerdings mit dem Auftrag, die Frühjahrskollektion zu kopieren. Alix stimmt zu, ein doppeltes Spiel zu spielen. Dabei setzt sie nicht nur ihre Zukunft, sondern auch ihr Herz aufs Spiel …

 

Der erste Satz:

„Die dumpfen Schläge, die durch das Fachwerkhaus dröhnten, töteten einen Mann und stürzten einen anderen ins Verderben.“ S. 7

 

 

In der Bloggerszene hagelt es negative Kritik für dieses Buch. Obwohl mich das Buch von der Thematik und vom Klappentext her sehr angesprochen hat, fing ich deswegen sehr skeptisch an, es zu lesen. Aber meine Bedenken konnten zerstreut werden: Dieser Roman hat mir nämlich wirklich gut gefallen.

Er beinhaltet viele Geschichten: Zum einem ist es die Geschichte eines mittellosen jüdischen Mädchens, das davon träumt, sein eigenes Geschäft zu führen und in der Modewelt Karriere zu machen. Es ist aber auch die Geschichte eines Mädchens, dessen Eltern gestorben sind, und das aufgrund des Judenhasses von England nach Paris geflohen ist. Es ist die Geschichte einer jungen Frau, die im Paris der 30er Jahre lebt. Sie hat große Träume, aber den Spanischen Bürgerkrieg sowie Hitler und die Judenverfolgung im Nacken, der Alltag ist geprägt von Geldsorgen… und dann gibt es da noch diesen einen Mann, der ihr zufällig immer wieder begegnet.

 

„An diesen Moment dachte Alix später allerdings ganz anders zurück: Das war der Augenblick, in dem sie an den Rand der Klippe, nach unten in die Grube der Gefahren blickte – und sprang.“ S. 49

 

Oftmals wird kritisiert, dass dieses Buch zu überladen sei. Als hätte die Autorin sich nicht entscheiden können, ob sie einen Historischen Roman, einen Krimi, eine Liebesgeschichte oder einen Roman über die Modewelt schreiben soll.

Aber warum sollte sie sich denn entscheiden? Ich interessiere mich auch für Mode – und für politische Konflikte, für wirtschaftliche Zusammenhänge und Kriminalfälle. Desto mehr sich ein Roman meinen Interessensgebieten widmet, desto besser. Und der Autorin gelingt es gut, die einzelnen Geschehnisse miteinander zu verweben und eine vielschichtige Geschichte entstehen zu lassen.

Die Charaktere sind allesamt sehr eigenwillige Persönlichkeiten, die gut gezeichnet sind. Evans Schreibstil ist bildreich und atmosphärisch, und dennoch flüssig lesbar.

Fazit: „Die Kleiderdiebin“ deckt ein breites Themenspektrum ab. Es ist eine Geschichte mit vielen Facetten. Aber genau das macht diesen Roman so außergewöhnlich.

gelesene Bücher September 2015_Rezension_Sagorski_In 80 Tagen zu dir

 

Natascha Sagorski – In 80 Tagen zu dir*

 

Klappentext:
Finns Großvater hat ihm nach seinem Tod nur zweierlei hinterlassen: alte Briefe und die Bitte, nicht denselben Fehler wie er zu machen. Daraufhin trifft Finn zum ersten Mal eine spontane Entscheidung: Er steigt in einen Flieger, um die Spuren dieser Briefe zurückzuverfolgen, die von einer Fremden versendet wurden. Stines Welt bricht an einem Tag zusammen. Und sie tut das Einzige, was ihr noch übrig bleibt: Sie gibt ihr bisheriges Leben auf und sich 80 Tage, um die Welt zu bereisen und zu sich selbst zu finden. Im Gepäck hat sie nur die Liebesbriefe, die ihre Großmutter einst von einem Seemann erhielt …

 

Der erste Satz:

„,Your room is ready now, Miss Stein.’“ S. 11

 

Zwei Protagonisten, die genug von ihrem momentanen Leben haben und sich erstmal weit weg eine Auszeit nehmen. Das ist nun wirklich keine neue Geschichte. Allerdings spielt dieses Buch in der Karibik! Und diese Tatsache macht einen völlig hin und weg ist von der Geschichte.

Finn hat in Deutschland seine Verlobte vor dem Altar stehen lassen. Sein Großvater hatte ihn vor seinem Tod gebeten, einen Stapel alter Liebesbriefe zu lesen und seine Hochzeit zu überdenken. Nach der Lektüre der Briefe will Finn nicht mehr heiraten und reist stattdessen in die Karibik, um der Spur der Briefe zu folgen.

Zugleich steht Stine in Deutschland vor ihrem Karriere-Aus und der größten Blamage ihres Lebens. Sie will nur noch ganz weit weg. Schon immer wollte sie irgendwann mal in die Karibik reisen und sich all die Orte ansehen, von denen sie in alten Liebesbriefen von ihrer verstorbenen Großmutter gelesen hat. Nun scheint der richtige Zeitpunkt dafür gekommen zu sein.

Das Buch ist unterteilt in 8 Kapitel, die die Reiseroute darstellen: Los Angeles, Fort Lauderdale, die Antillen, Saint-Bathélemy, Saint-Martin, Puerto Rico, Jamaika und Tower Island. In den Kapiteln wird mehrmals zwischen den Sichtweisen Finns und Stines hin und her gewechselt und man verfolgt immer nur den jeweiligen Gedankengang des Einen.

Gleichzeitig wird Finns und Stines Geschichte immer wieder durch die alten Briefe unterbrochen, die an dem jeweiligen Ort geschrieben wurden. So beinhaltet dieses Buch nicht nur Stines und Finns Geschichte, sondern auch die Liebesgeschichte von Irmgard und Hans.

Die Geschichte ist wirklich schön und die Kulisse einfach nur traumhaft. Man sieht kristallklares Wasser, weiße Strände und tosende Wasserfälle geradezu vor sich.

Allerdings ist Sagorskis Schreibstil manchmal etwas langatmig, insbesondere wenn die grüblerischen Gedanken der Protagonisten beschrieben werden. Diese denken einfach ständig das Gleiche. Teilweise kann man ganze Sätze überspringen, da sie nur aus einem riesigen „Was mache ich hier eigentlich?“/„Was will ich eigentlich?“/„Wieso gefällt er/sie mir?“/„Wie kann das sein?“-Blabla bestehen. Auch ist der Schreibstil sehr schlicht – ohne jede sprachliche Raffinesse.

Finn ist als Person nicht gut ausgearbeitet und erscheint so als ein Mensch ohne Ecken und Kanten – während Stine die ganze Zeit über ein klischeehaftes Romantische-Komödie-Verhalten an den Tag legt und mir mit ihrer Impulsivität auf die Nerven ging.

Die Geschichte ist allein schon aufgrund des Klappentextes sehr vorhersehbar. Für die Spannung sorgen daher überwiegend die wechselnden Orte – und nicht unbedingt die Liebesgeschichte zwischen Stine und Finn. Aber am Ende gibt es dennoch eine unvorhergesehene Wendung, die einen erstaunt und bedauernd zurücklässt.

Fazit: Trotz der Kritikpukte ist „In 80 Tagen zu dir“ eine sehr schöne Geschichte. Durch die Kulisse wird das Buch einmalig und man hat die ganze Zeit über das Gefühl, in der Karibik zu sein. Perfekt für ein verregnetes Wochenende!

 

Buchblog_Bücherstapel_gelesene Bücher September 2015 2

 

ÜBERSICHT

Noam Shpancer – Der gute Psycholge: hier erhältlich

Natascha Sagorski – In 80 Tagen zu dir: hier erhältlich

Natalie Meg Evans – Die Kleiderdiebin: hier erhältlich

Charlotte Link – Die Betrogene: hier erhältlich

Brigitte Beil – So friedlich, das Meer: hier erhältlich

Sophie Kinsella – Schau mir in die Augen, Audrey: hier erhältlich

Susan Abulhawa – Als die Sonne im Meer verschwand: hier erhältlich

Tess Gerritsen – Grabesstille: hier erhältlich

 

 

*Kostenfreies Rezensionsexemplar: Dieses Buch wurde mir zu Rezensionszwecken kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat keinen Einfluss auf meine Meinung.

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17 Gedanken zu “Der Lesemonat September 2015

  1. YEAH Leseratte! Tess Gerritsen zählt schon seit ganz vielen Jahren zu meinem Favoriten. Ich mag ihre Bücher richtig gerne. Hast du schon „Die Chirurgin“ gelesen? Charlotte Link schreibt auch richtig toll. Die Anderen kannte ich noch nicht, muss ich mir mal in Ruhe anschauen. Aktuell habe ich noch eine gute Ladung Bücher und mein Kindle ist auch gut gefüllt. Aber dann bin ich für neuen Lesestoff zu haben 🙂

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    1. „Die Chirurgin“ habe ich 2009 gelesen und mich seitdem an der Rizzoli-Reihe entlang gehangelt. Momentan fehlen mir nur noch „Abendruh“ und „Der Schneeleopard“, sonst habe ich schon alle Bücher gelesen. Ich mag die Thriller von Tess Gerritsen auch echt gerne, und die von Charlotte Link feiere ich jedes Mal einfach nur 😀

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  2. Die Kleiderdiebin und Die Betrogene habe ich auch noch auf dem SuB liegen und werde sie sicher demnächst lesen 🙂 Und Schau mir in die Augen Audrey steht auf meiner Wunschliste – aber mein SuB ist gerade so hoch wie schon lange nicht mehr, daher wird bis zu meinem Geburtstag in zwei Wochen sicher nichts einziehen 🙂

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    1. Mein SuB war auch noch nie nicht-existent. Ich habe in der Regel immer an die 10 Romane zu Hause, die ich noch nicht gelesen habe, da ich dazu neige, immer gleich mehrere Bücher aufeinmal zu kaufen. 😀

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      1. Ja, ich kann auch an keinem Buchladen vorbei gehen ohne was zu kaufen…und ganz schlimm auch IMMER am Flughafen. Egal, wie hoch mein SuB gerade ist 😀

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  3. Noch so eine Leseratte wie ich 😀 Jetzt im Herbst, wenn es draußen kälter ist, gibt es nichts schöneres als eine heiße Tasse Tee und ein gutes Buch 🙂
    Die Krimis von Tess Gerritsen lese ich auch sehr gerne!
    Liebe Grüße ♡ Kristina
    TheKontemporary

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  4. Endlich jemand, der auch mal mehr als ein buch pro Monat liest! 🙂
    Sehr gute Auswahl, obwohl ich Krimis und Thriller meide, wenn möglich. Sonst schlafe ich nachts nicht mehr 😀 Ansonsten finde ich deinen Büchergeschmack toll, das Buch von Sophie Kinsella habe ich nicht gelesen, aber vielleicht mache ich das noch. Susa Albuhawa fehlt in deiner Übersicht am Ende, aber ihr erstes Buch fand ich trotz einiger Schwierigkeiten ziemlich gut. Dass Menschen dann aber Nur heißen, ist echt blöd gemacht.

    Tolle Review jedenfalls, gerne mehr davon 🙂

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  5. Oh wow, was für eine ausführliche Review deines Lesemonats. Ich muss sagen, dass ich zu Krimis immer gar keinen Bezug bekomme, weil ich meistens Nachts lese und mir das zu aufregend ist 😀 Die Beschreibung der Bücher klingt allerdings sehr interessant und reizen zum Kaufen 🙂

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

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  6. Das Buch von Charlotte Link macht mich total neugierig – ich liebe ihre Bücher und habe schon einige förmlich verschlungen! Die anderen Autoren sagen mir bis jetzt nichts, aber so manches klingt gut und macht mich neugierig. Gut dass die Lesezeit wieder anfängt 🙂
    Lieben Gruß,
    Lisa von wuestenfuchs

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  7. 8 BIACHA,,, mei i brauchat do sicha 10 JAHR dafür;;;;;
    DAWEIL hob i friagha soooo gern glesn,,,,

    aber toll wia du de alle BEURTEILST;;;;
    WEIL sooooo kann ma sich scho an BUIDL macha davo FREU;;;freu,,,,

    hob no an feinen ABEND
    bussale bis bald de BIRGIT

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  8. „Schau mir in die Augen Audrey“ klingt richtig gut und nach lockerer Lektüre. Habe ich direkt mal auf meine Liste gesetzt, Vielen Dank, für den tollen Tipp:)

    Liebe Grüße
    Laura

    Gefällt mir

  9. oooh ich mag Tess Geritsen. Dieses hört sich echt gut an! Das muss ich mir demnächst mal zulegen.
    Respekt übrigens für so viele Bücher in einem Monat! Das würde ich niemals schaffen, auch wenn ich es gerne wollte…. Lesen ist so etwas wundervolles ❤
    liebste grüße, lisa

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