Lesestoff: Venedig, Paris, London und Portofino

Wohin mich meine zuletzt gelesenen Bücher geführt haben

 

Luca Di Fulvio – Das Mädchen, das den Himmel berührte

 

Klappentext:

Wie wird ein junger Tagedieb, der seine Kindheit in einer Höhle verbrachte, zu einem glühenden Verfechter der Freiheit? Wie wird ein jüdischer Überlebenskünstler zu einem anerkannten Arzt? Und wie wird ein Mädchen mit einem schweren Schicksal zu einer Aufsehen erregenden Modeschöpferin?
Die Antwort liegt in Venedig. Denn dort, im Labyrinth der Gassen und Kanäle der geheimnisvollsten Lagune Europas, zwischen der Pracht San Marcos und dem Elend der Spelunken von Rialto, findet sich das gesamte Panorama des Lebens…

 

Ich liebe Venedig. Und ich liebe Bücher, deren Handlungsverlauf sich über mehrere Jahre erstreckt und das Leben mehrerer Personen betrachtet. Dieses Buch hatte also die besten Chancen, sich auf die Liste meiner Lieblingsbücher zu katapultieren.

Ich habe Silvester angefangen, das Buch zu lesen, und irgendwann im April war ich endlich damit fertig. Ich habe mich wirklich darüber gefreut, endlich damit durch zu sein.

Luca Di Fulvio entführt einen in das Venedig des 16. Jahrhunderts. Er nimmt den Leser mit auf Bootsfahrten durch die venezianischen Kanäle, Verfolgungsjagden durch die engen Gassen, man wird Zeuge von Betrügereien und Krankheiten, die jeden dahinraffen. Auch wenn man anfangs die gesamte Szenerie staunend betrachtet, schafft der Autor es trotzdem nicht, einen durch seine Geschichte ganz in den Bann zu ziehen, einen das Hier und Jetzt ganz und gar vergessen zu lassen.

Ein Held, der ständig durch glückliche Zufälle, aus scheinbar ausweglosen Situationen herausfindet. Charaktere, die zu sehr schwarz oder weiß sind. Langatmige Handlungen. Lang aufgebaute Spannungsbogen, die zum Ende hin im Nu abflachen. Eine Liebesgeschichte, die zu konstruiert erscheint – und vor allem zu schnulzig. Dazu ein einfacher, schlichter Schreibstil, keine Sätze, die hervorstechen.

Es scheint fast so, also hätte sich die Geschichte irgendwann im Laufe der Zeit in den verwinkelten Gassen Venedigs verlaufen.

Patrick Modiano – Im Café der verlorenen Jugend

 

Klappentext:
Paris in den 60er Jahren: Schon als junges Mädchen ist Louki aus der Wohnung der Mutter, einer Platzanweiserin im Moulin Rouge, immer wieder weggelaufen. Den Vater hat sie nie gesehen. Ihren Mann, einen wohlsituierten Immobilienmakler, verließ sie ein Jahr nach der Heirat wieder. Mit ihrem Geliebten, dem angehenden Schriftsteller Roland, streift sie tagelang durch die große Stadt. Im Café Le Condé, dem „Café der verlorenen Jugend“ in Saint-Germain-des-Prés, glaubt Zouki Zuflucht zu finden, während der Detektiv ihres Mannes schon ihre Spur aufgenommen hat.

 

Die schönsten Sätze:

„Ich habe immer geglaubt, dass manche Orte Magnete sind und dass man angezogen wird, sobald man in ihre Nähe kommt. Und zwar auf unmerkliche Weise, ohne dass man etwas ahnt. Eine abschüssige Straße kann schon genügen, ein sonniges Trottoir oder ebensogut ein Trattoir im Schatten. Oder ein Regenschauer. Und das führt einen dann genau zu dem Punkt, wo man stranden musste.“ S. 17

 

„Ich versuchte mich zu erinnern, was sie mir gesagt hat in jener Nacht. Es war verworren. Nichts als Bruchstücke. Und heute ist es zu spät, um Einzelheiten wiederzufinden, die fehlen oder die ich vielleicht vergessen habe.“ S. 121

 

„Sind wir denn verantwortlich für die Statisten, die wir uns nicht ausgesucht haben und denen wir am Beginn unseres Lebens über den Weg laufen?“ S. 124f.

 

Das Buch wird aus der Sicht von vier Ich-Erzählern geschrieben. Kapitelweise wird zwischen ihnen hin und her gesprungen – ohne Ankündigung, sodass man sich immer wieder neu zurechtfinden muss. Die Charaktere bleiben farblos, die Geschehnisse ohne Nachhall, die Abläufe verworren. Und der große Knall am Ende lässt einen nur noch ratloser zurück.

Alles in allem ein Buch, das man so schnell wieder vergessen hat, wie es gedauert hat, es zu lesen. Auch Modianos schöner Schreibstil und die Atmosphäre von Paris, die er mit seinen Worten erschafft, können daran nichts ändern.

 

Karen Swan – Ein Weihnachtskuss für Clementine

 

Klappentext:
Clementine Alderton ist die Sorte Frau, die jeder zur Freundin – oder lieber gleich selbst sein möchte: schön, reich und glücklich. Männerherzen fliegen ihr mühelos zu, und sie ist der Mittelpunkt jeder Londoner Party. Doch Clementine hat ein dunkles Geheimnis. Gerade als ihre Fassade zu bröckeln beginnt, erhält sie ein Jobangebot als Inneneinrichterin im verträumten Hafenstädtchen Portofino. Clementine sagt zu – die Reise nach Italien scheint wie die Lösung all ihrer Probleme. Nur werden die Sorgen nicht kleiner, wenn man vor ihnen wegläuft. Aber als Clementine schon zu verzweifeln droht, zeigt sich Weihnachten von seiner zauberhaftesten Seite.

 

Der schönste Satz:

„Sie drängte sich zwischen den Passanten hindurch, tauchte ab in die Anonymität der Stadt, ließ sich davontragen von den Massen und merkte, wie ich ein wenig wohler wurde. Hier war sie sicher. Hier konnte nicht mal Tom sie finden.“ S. 47

 

Ich habe mir dieses Buch irgendwann Ende November letzten Jahres gekauft, um mich auf die Weihnachtszeit einzustimmen. Außerdem hat mir das Cover so gut gefallen – und da das Buch teilweise in Portofino spielt (dort in der Nähe habe ich mein Auslandssemester verbracht), wollte ich es unbedingt lesen.

Erst im April/Mai bin ich dazu gekommen, als Weihnachten schon lange vorbei war und ich schon wieder nach Italien geflogen bin. Kein Problem – denn das Buch ist gar kein Weihnachtsbuch. Nur das letzte Kapitel spielt zur Weihnachtszeit. Die übrige Handlung erstreckt sich über ein ganzes Jahr und insbesondere die Sommermonate spielen eine bedeutende Rolle in der Gesamthandlung.

Das Buch lässt sich gut lesen und entführt einen in die Glamour-Welt Londons und in das Dolce Vita Italiens. Karen Swan erschafft sympathische Charaktere, mit Ecken und Kanten und dennoch liebenswert. Das Ende um Clems großes Geheimnis ist ab einem bestimmten Punkt allerdings vorhersehbar. Das Buch ist defintiv kein Must-read, aber eine durchaus eine unterhaltsame Urlaubslektüre für den Strand – trotz des weihnachtlichen Covers.

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13 Gedanken zu “Lesestoff: Venedig, Paris, London und Portofino

  1. Ich werde direkt morgen in die Bücherei gehen und mir Im Cafe der verlorenen Jugend ausleihen. Ich finde das es sich sehr gut anhört und bin mal gespannt ob es mir gefällt.

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  2. ich hab zwar noch, ich glaube 3, ungelesene bücher in meinem regal stehen, aber ich freu mich immer über neue anregungen! so muss man wenigstens niemals bangen, dass man kein neues buch hat, wenn man eins bräuchte 😉

    liebst, laura

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  3. Guten Morgen,

    „Das Mädchen das den Himmel berührte“ hatte ich auch schon einige Male in der Hand. Ich war allerdings immer unschlüssig. Irgendwie bin ich es immer noch, wenn man 4 Monate an einem Buch liest, denke ich mir, dann kann es so toll auch nicht gewesen sein. .. schwierig

    Liebste Grüße
    Mary

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    1. Hallo Mary,
      das stimmt, richtig gute Bücher kennzeichnen sich auch dadurch, dass man sie in einem Rutsch durchliest und gar nicht mehr aufhören will, zu lesen. Aber andererseits sind Buchvorlieben ja auch verschieden. Ich finde immer, dass es hilft, sich bei Amazon die eher schlechten Bewertungen durchzulesen und dann zu überlegen, ob einen die angesprochenen Punkte auch stören würden.
      Liebe Grüße

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      1. Stimmt, jeder hat natürlich andere Maßstäbe, wenn es darum geht „Ist dies ein lesenswertes Buch für mich“. Ich selber lese auch gerne mit Vorliebe die Rezensionen bei Amazon, NACHDEM ich ein Buch ausgelesen habe. ich finde es dann oft erstaunlich, was andere Leser in dem Buch sehen.

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  4. Also das erste Buch habe ich auch gelesen – und ich war wirklich froh, als es endlich durch war. Da ist das andere (Der Junge der Träume schenkte oder so?) sogar noch besser und auch das hat mich nur so halb überzeugt 😀 Die anderen beiden kenne ich nicht, klingt aber gut!

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    1. Endlich mal jemand, der das auch so sieht. 🙂 Bisher habe ich über „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ immer nur Begeisterungsstürme gehört, ebenso wie zu „Der Junge, der Träume schenkte“. Ich bin mir unsicher, ob ich mir den anderen Roman noch vornehmen soll, schließlich ist er noch dicker…

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      1. Also, ich fand ihn nicht wirklich besser.. ich lese ja viele Bücher irgendwann doch noch ein zweites Mal, aber die gehören definitiv nicht dazu! Einfach viel zu langgezogen…eigentlich schade, ich mag die Cover voll gerne und alle sind so begeistert. Aber ich kann dir nicht wirklich empfehlen, Der Junge der Träume schenkte noch zu lesen. Wenn du das eine nicht mochtest, wirst du das andere vermutlich auch nicht mögen 😀

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