Bin ich Stadt, Land oder Fluss?

Bist du ein Langschläfer oder ein Frühaufsteher?
Ein Stadt- oder ein Landmensch?

Menschen neigen dazu, andere in Kategorien einzuteilen. Und auch wir selbst schieben uns gerne in bestimmte Schubladen.

Ich kann kein Mathe.
Ich bin eben unordentlich.
Ich hätte nicht gedacht, dass du Oliven magst.
Ich kann so was nicht tragen. Gelb steht mir nicht.
Ich dachte, du studierst nur, weil du später viel Geld verdienen willst.
Du bist kein Büromensch.
Du bist doch nicht kreativ!
Du bist eher analytisch.
Du könntest es vermutlich keinen Tag bei einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aushalten.

 
Warum machen wir das? Warum stellen wir Menschen Fragen, mit denen wir sie dazu zwingen, sich zu kategorisieren? Und warum kategorisieren wir uns selber?

 

2_outfit_rote Strumpfhose

 

Psychologen begründen unsere schnelle Urteilsbildung mit dem Einsparen von Energie. Wenn wir Menschen in Gruppen einteilen, nehmen wir ihnen ihre Komplexität. Wir vereinfachen Menschen und entlasten damit unsere Gedanken.
Der kognitive Aufwand wird verringert, heißt das im Fachjargon, was nichts anderes bedeutet, als dass wir wenig denken und uns somit weniger anstrengen müssen. Schnelle Urteilsbildung führt dazu, dass wir Dinge nicht lange hinterfragen, nicht alle Seiten beleuchten, sondern schnell reagieren können. Unsere Gedanken drehen sich nicht im Kreis, sondern fließen dahin – ohne Kurven, ohne Hindernisse.
Es gibt nur eine Richtung, eine Lösung.

Aber Menschen sind nicht so.
Sie sind kein gerade fließender Fluss, sondern ein Gebirgszug mit Höhen und Tiefen, ein Land mit verschiedenen Aspekten. Sie sind sowohl die Masse in der Großstadt, in der man untergeht, als auch der einzelne Mensch, der aus ihr hervorsticht.
Menschen sind nicht „Ja“ oder „Nein“; sie sind vielseitig, widersprüchlich, komplex.

 

3_outfit_rote Strumpfhose

 

Meine Mathenote hat im Laufe meines Lebens stark geschwankt. Von einer 1 bis zur 6 habe ich mir jede Note abgeholt. Das Ergebnis einer Klassenarbeit war also nicht abhängig von der Frage, ob ich Mathe kann oder nicht, sondern eher vom jeweiligen Thema, vom Lehrer und auch von meiner Motivation.
Aber es stimmt schon: Es fällt mir leichter einen Text zu schreiben, als eine Matheaufgabe zu lösen, und es bereitet mir auch viel mehr Freude. Aber heißt das, dass ich Mathe nicht kann?

Ich schreibe gerne Texte, aber ich hasse es zu zeichnen. Selbst das Aufmalen einer MindMap oder einer Skizze ist für mich der Horror. Bin ich also ein kreativer Mensch? Oder eher nicht?

 

4_outfit_rote Strumpfhose

 

Keine Frage, ich bin ein Langschläfer. Aber eigentlich ist meine liebste Tageszeit ist der frühe Morgen. Auch wenn ich zu dieser Tageszeit fast nie wach bin. Das Brodeln der Kaffeemaschine, das ankündigt: Gleich geht es los. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf den Asphalt, nur vereinzelte Geräusche dringen durch die Straßen.
Und dazu dieser Enthusiasmus, der schon in der Luft liegt. Der ganze Tag mit all seinen Möglichkeiten liegt noch vor einem.
Ich wäre gerne ein Frühaufsteher, aber ich bin es leider nicht.

Ich mag die Großstadt. Ich mag diese Anonymität, die sie einem bietet. Die Menschenmasse, in der man untergeht. Jeden Tag begegnet man unzähligen Menschen, die man anschließend niemals wiedersieht.
Eine Großstadt ist ein Ort der unbegrenzten Möglichkeiten und gleichzeitig macht eben diese Grenzenlosigkeit vieles unmöglich.
Großstädte inspirieren mich. Sie bringen mir neue Ideen. Sie versprechen einem so Vieles. Und halten doch so wenig.
Und manchmal nerven einen diese Menschenmassen auch. Dieser Lärm. Dieser Dreck. Diese Begegnungen, die allesamt zu nichts führen. Dieses Untergehen, das dazu führt, dass man niemand ist.
Aber wenn ich vor der Wahl stehen würde, ob Stadt oder Land, ich würde immer die Stadt nehmen. Obwohl ich in keiner aufgewachsen bin.

 

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Was bin ich also? Stadt- oder Landmensch? Langschläfer oder Frühaufsteher?

Wie bin ich? Kreativ oder analytisch? Vielleicht beides? Oder gar nichts?

Haben die Menschen, die uns beurteilen vielleicht doch Recht? Ist man überhaupt so, wie man wirklich ist? Oder ist man vielleicht eher so, wie man gerne wäre?

 

6_outfit_rote Strumpfhose

 

WHAT I WORE

sweater: H&M (similar here)

skirt: H&M (another combination here / here)

tights: H&M (similar here)

necklace: H&M

court shoes: Gabor (similar here)

nailpolish: Anny – Back Jet

photos by Jule Pasenau

Hamburg

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10 Gedanken zu “Bin ich Stadt, Land oder Fluss?

  1. Wow was für ein toller Post, du schreibst unglaublich toll und alles ist wahr 🙂 Du hast eine neue Followerin und ich freue mich über mehr „philosophische“ Texte von dir 😀

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  2. Dein Outfit ist wirklich super cool gewählt. Obwohl ich die Strumpfhose selbst wirklich nie anziehen würde, steht sie dir echt verdammt gut und auch die ganze Kombination deines Outfits gefällt mir extrem gut. Ich schleiche schon eine ganze Zeit um deinen Blog rum & finde ihn echt extrem gut, deswegen folge ich dir jetzt auch endlich mal auf Bloglovin 🙂 Vielleicht hast du ja auch mal Lust bei mir vorbei zu schauen 🙂

    Liebe Grüße 🙂
    http://measlychocolate.blogspot.de

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  3. Ein wundervoller Post! Ich liebe es wie du schreibst 🙂
    Und dein Outfit ist auch wie immer sehr sehr hübsch!

    Ich wünsche dir einen wundervollen Tag ❤
    Liebst, Sarah von Belle Mélange

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  4. Ich finde deinen Post wirklich sehr süß und vor allem sehr ehrlich, auf eine ganz bestimmte Art und Weise! Jeder kennt dieses denken und die Vorstellung von Dingen, die man sofort aufbaut, wenn man jemanden sieht. Wenn man sich sieht.
    Und das Outfit? Es passt perfekt zu diesem Thema und deshalb liebe ich es noch viel mehr an dir!

    Liebe Grüße,
    Bambi

    http://www.xfunkelmaedchen.blogspot.de/

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  5. Sehr schönes Outfit, aber die rote Strumpfhose passt gar nicht dazu^^ würde ich so tragen nur ohne Strumpfhose. Ein farbiges Detail finde ich toll als Blickfang, aber hier kann es mich leider so gar nicht von sich begeistern

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