Cut! Eine Hommage an kurze Haare (und lange)

 

Vor über vier Jahren hatte ich Haare, die mir bis über die Schulterblätter reichten.

Während einer Mittagspause ging ich zum Friseur – und ließ mir eine Kurzhaarfrisur verpassen.

Und zwar wirklich eine Kurzhaarfrisur: Ich sollte von nun an mir einem Pixie-Cut durch die Weltgeschichte laufen – meine Haare waren nur noch etwa fünf Zentimeter lang.

Ich weiß noch genau, was für ein merkwürdiges Gefühl es war, als die Frisörin die riesige Haarmenge auf dem Fußboden zusammenfegte und mir im Spiegel ein fremder Mensch entgegen sah. Ein Mensch, der eher Ähnlichkeit mit meinem kleinen Bruder hatte als mit mir.

 


Nachdem ich mich an das neue Spiegelbild gewöhnt hatte, haben mir meine langen Haare eigentlich nicht weiter gefehlt. Manchmal hätte ich mir gerne einfach schnell einen Zopf gemacht, statt jeden Morgen die Haare waschen zu müssen. Manchmal hätte ich mir gerne für eine Party Locken gemacht, statt die gleiche Frisur zu haben wie wirklich jeden einzelnen Tag. Und manchmal hätte ich gerne eines meiner vielen Haaraccessoires benutzt, die nun ohne irgendeine Funktion in einer Kiste lagerten.

Trotzdem hatten die kurzen Haare auch einige Vorteile. Beispielsweise musste ich meine Haare nie föhnen: Wenn ich einmal zwischen Badezimmer und meinem Zimmer hin und her gelaufen bin, waren sie schon getrocknet.
Ich musste mich nie darüber aufregen, dass meine Haare trotz Haarfestiger und –spray machen, was sie wollen.
Nie darüber ärgern, dass ich meine Haare zwei Stunden lang mit dem Lockenstab bearbeitet hatte, um wieder glatt zu sein, wenn man auf der Party angekommen ist.

Es war eigentlich ganz schön, kurze Haare zu haben.
Es war so herrlich unkompliziert.

 

 

Aber nach über anderthalb Jahren reichte es mir und ich fing an, sie wieder wachsen zu lassen.

So wuchsen sie und wuchsen, während ich mit Haarbändern und –klammern versuchte, halbwegs gute Übergangsfrisuren zu zaubern.
Sie wuchsen, während Menschen in mein Leben kamen und wieder gingen. Während Arbeitgeber und Wohnorte wechselten. Während über zwei Jahre vergingen.

Bis ich mir eines Tages wieder neue Haargummis kaufen musste.
Bis ich mir wieder einen Dutt machen konnte.

Und bis sie mir wieder bis zu den Schulterblättern reichten.

 

5_blauerrock-blauesshirt
Letzte Woche bin ich wieder zum Friseur gegangen und habe ihm die Anweisung gegeben, einiges abzuschneiden.

 

Es wäre schön, wenn man jeden Tag erneut entscheiden könnte, wie lange Haare man hat. Ob man den Tag mit einer Kurzhaarfrisur verbringt oder mit langen Locken. Jeden Tag entscheiden, ob man sich einen Zopf flechtet oder seine kinnlagen Haare einfach nur kurz durchwuschelt.

Genauso, wie man jeden Tag die Möglichkeit hat zu entscheiden, welchen Rock man heute trägt.

Heute nehme ich dann also die roten kinnlangen Haare und den blauen Rock.

 

 

 

skirt: H&M

shirt: H&M

necklace: bought in Portugal

ankle boots: Fornarina

photos by Jule Pasenau

Lüneburg

 

13 Gedanken zu “Cut! Eine Hommage an kurze Haare (und lange)

  1. Tolle Geschichte! Ich würde mich nicht trauen, einfach so mal während der Mittagspause mir ein Pixie-Cut zu verpassen. Aber ich bin ganz froh, dass ich nur schulterlanges Haar habe. Früher hatte ich immer langes Haar. Sie sahen zwar jeden Tag gleich aus, aber irgendwann waren die Spitzen einfach nur noch so kaputt, dass ich sie hätte drei mal am Tag kämmen müssen.

    Deine aktuelle Frisur ist übrigens wunderschön! Ich wünschte,ich hätte auch so natürliche Wellen!

    Liebst,
    Mira

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  2. Einfach in der Mittagspause zum Friseur gerannt und die Haare abschneiden lassen.. Würde ich mir nie trauen. Meine sind jetzt bald am Bauchnabel angekommen. 😀
    Aber dir steht eine Kurzhaarfrisur richtig gut und auch mit kurzen Haaren kann man noch tolle Frisuren zaubern. Einfach mal kurz Googeln, da kommen tausende von Ideen.
    Liebst Katja
    http://amoureuxee.blogspot.de/

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