[reading] Am Pranger

Jodi Picoult – Zerbrechlich

Erster Satz:

Ständig brechen oder zerbrechen irgendwelche Dinge.

 

Letzter Satz:

Dieses Dessert füllt die Leere in mir, wenn ich dich am meisten vermisse.

 

Die Geschichte dazwischen:

Charlotte und ihr Mann Sean wünschen sich sehnlich ein Kind. Riesig ist die Freude als Charlotte endlich schwanger wird. Doch dann der Schock: Bei ihrem ungeborenen Kind wird die Krankheit Osteogenesis impfercta diagnostiziert: Die Glasknochenkrankheit. Ihr Kind hat sich sogar im geschützten Mutterleib mehrere Knochen gebrochen. Es ist ungewiss, ob es überhaupt seine Geburt überleben wird.

Doch Tochter Willow überlebt ihre Geburt – mit mehreren Knochenbrüchen.

Sechs Jahre später hat sich Willow bereits unzählige Male die Knochen gebrochen. Ihr Leben ist geprägt von Krankenhausbesuchen, Gipsen und Schmerzen.

Charlotte kann nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Die Pflege und Sorge um Willow nimmt all ihre Zeit in Anspruch, ihr ganzes Leben widmet sie voll und ganz der kranken Tochter.

Ehemann Sean arbeitet immerzu, um die Familie zu ernähren und um die umfangreichen Kosten für Willows Pflege aufzubringen. Trotzdem ist das Geld so knapp, dass er nicht einmal das Holz für eine neue Rollstuhlrampe bezahlen kann.

Die ältere Tochter Amelia, auch Außenseiterin in der Schule, wird von den beiden kaum beachtet. Das ganze Familienleben dreht sich um Willows Krankheit.

Zerbrechlich_Cover

 

Durch eine Verkettung unglücklicher Umstände landen Sean und Charlotte schließlich bei einem Anwalt, der ihnen vorschlägt, sie sollen Charlottes Gynäkologin, die zugleich Charlottes beste Freundin ist, verklagen. Charlotte solle behaupten, dass sie Willow abgetrieben hätte, wenn die Krankheit früher diagnostiziert worden wäre. Willow wäre besser nie geboren worden.

„Verwerfungen. Das sind Stellen, an denen die Erde auseinanderbricht. Das sind die Stellen, wo Erdbeben entstehen und Vulkane geboren werden. Oder anders gesagt: Die Welt zerbröselt unter uns; der feste Boden unter unseren Füßen ist Illusion.“ S. 9f.

Jodi Picoult zeichnet das Porträt einer Familie, die sich aus Sorgen um das kranke Kind selbst verliert – und schließlich durch finanzielle Sorgen fast zerbricht.

„Man kann sich selbst einreden, dass man bereit ist, alles zu verlieren, um zu bekommen, was man will, aber so einfach ist das nicht: All die Dinge, die man so bereitwillig preisgeben will, sind genau die, die einen erst zu dem machen, was man ist. Verliert man sie, verliert man auch sich selbst.“ S. 270

Jedes Kapitel wird aus einer anderen Perspektive geschrieben: Charlotte, Sean und Amelia erzählen im Wechsel ihre Version der Geschichte und sprechen dabei Willow direkt an.

Auch die verklagte Freundin Piper sowie Charlottes Anwältin Marin kommen zu Wort.

Dabei gibt es kein Kapitel, das die Geschichte nicht ein ganzes Stück weiter bringt, kein Kapitel, von dem man nicht ganz und gar vollkommen eingenommen wird. Kein Handlungsstrang, der einen nicht aufwühlt.

„Eigentlich wollen wir alle dasselbe: Wir wollen geliebt werden. Diese Sehnsucht fördert manchmal unsere schlimmsten Seiten zutage[…]“ S. 585

Und über allem steht die Frage: Wann ist ein Leben lebenswert? Und wie viel kann man einer Mutter und einer Familie zumuten?

„Was uns formt, sind die Dinge, die wir ertragen müssen.“ S. 167

 

Fazit:

Dieses Buch zieht einen von Anfang an völlig in seinen Bann und lässt einen nicht mehr los. Ein weiteres Meisterwerk von Jodi Picoult, bei dem man nach dem Lesen das Gefühl hat, unbedingt mit jemanden über das Gelesene reden zu müssen. Ein Buch, an das man immer wieder zurückdenkt.

5 von 5 Sternen

7 Gedanken zu “[reading] Am Pranger

  1. Hallo,

    ich habe eben erst entdeckt dass du auch eine Kategorie „lesen“ auf deinem Blog hast. Wie schöööön 🙂 Ich lese für mein Leben gern, und „zerbrechlich“ fand ich auch wunderbar. Wunderbar traurig und emotional. Jodi Picoult hat einen tollen Schreibstil. Ich sollte mal wieder ein Buch von Ihr lesen.

    Liebe Grüße
    Mary

    Liken

  2. Die Geschichte klingt wirklich spannend! Allein von deiner Nacherzählung und den kleinen Zitaten zwischendrin hab ich richtig lust bekommenes zu lesen!
    Auch wenn ich jetzt schon weiß dass ich danach so aufgewühlt und fertig mit der Welt sein werde…

    Gefällt 1 Person

  3. Ein mit Sicherheit sehr spannendes Buch über eine Thematik, die zu oft verschwiegen wird. Kranke Kinder und wie die Krankheit Geschwisterkinder und Familie beeinflusst. Wunderbare Zitate, da möchte man gleich in die Geschichte einsteigen!
    Liebe Grüße,
    Missi von Himmelsblau

    Gefällt 1 Person

  4. Ich bin auch eine richtige Leseratte und habe aufmerksam die Textstellen verfolgt aber ich glaube das dieses Buch nicht so meinen Lesegeschmack trifft. Trotzdem ist das ein sehr schöner Text von dir und die Stellen sind wirklich schon getroffen.

    Grüße von der Beere

    Gefällt 1 Person

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