[reading] Unterwegs mit dem Zirkus

 

Sara Gruen – Wasser für die Elefanten

Klappentext:

Amerika 1931, die Wirtschaftskrise hat das Land fest im Griff. Da kann der junge Tierarzt Jacob Jankowksi von Glück reden, als ihm ein Job beim Zirkus angeboten wird. Auch wenn es ein sehr bescheidener Zirkus ist: Nicht einmal einen Elefanten gibt es. Dafür eine wunderschöne Kunstreiterin. Doch Marlena ist verheiratet mit dem wahnsinnigen Dompteur. Irgendwann findet sich doch eine, wenn auch sehr eigensinnige Elefantendame. Keiner kann mit Rosie umgehen – bis Jacob ihr Geheimnis enthüllt. Und als sich gerade alles zum Guten zu wenden scheint, nimmt eine Tragödie ihren Lauf …

Erster Satz:

Es befanden sich noch drei Menschen unter der rot-weißen Markise des Hamburgerstands: Grady, ich und der Schnellkoch.

 

Letzter Satz:

Für diesen alten Mann ist das hier sein Zuhause.

 

Die Geschichte dazwischen:

Jacob Jankowksi ist ein alter Mann, 90 oder 93 Jahre, wie alt genau, hat er vergessen. Er lebt im Pflegeheim, doch in seinen Gedanken befindet er sich meist in der Vergangenheit. Als ein Zirkus vor dem Pfegeheim seine Zelte aufbaut, weckt das Erinnerungen in ihm: Erinnerungen, an eine längst vergangene Zeit. Die Zeit der Depression der Dreißiger Jahre, in der er als Tierarzt in einem Wanderzirkus tätig war, mit Armut und Skrupellosigkeit konfrontiert wurde – und der Liebe seines Lebens begegnete.

 

Eigene Meinung:

Meine Oma hat einmal gesagt: Immer zuerst den Film ansehen und dann erst das Buch lesen. Wenn man nämlich zuerst das Buch lese, sei man enttäuscht, weil im Film einiges anders sei und viel Inhaltliches weggelassen werde. Wenn man hingegen zuerst den Film sehe und dann erst das Buch lese, könne man noch viel Neues entdecken.

Ich bin, was diese Oma-Weisheit angeht, zwiegespalten. Ja, es stimmt: Wenn man erst das Buch liest und dann den Film sieht, ist man höchstwahrscheinlich enttäuscht. Enttäuscht, weil die Filmfigur rote Haare hat, obwohl doch im Buch stand, sie habe braune Haare. Enttäuscht, weil ganze Figuren weggelassen werden, obwohl sie eine tragende Rolle eingenommen haben. Enttäuscht, weil das Ende völlig anders ist. Weil bestimmte Sachverhalte nicht richtig herüberkommen. Und, und, und.

Andererseits: Da man den Film kennt, weiß man, was passiert. Man weiß, was folgen wird, und wie die Figuren eine Lösung für ihr Problem finden. Außerdem sehen die Protagonisten auch in der Fantasie so aus, wie die jeweiligen Schauspieler, die sie im Film dargestellt haben. Wenn man zuerst den Film sieht, wird einem einiges vom Lesevergnügen weggenommen.

Das Buch „Wasser für die Elefanten“ stand schon seit Jahren auf meiner Wunsch- und Muss-ich-dringend-mal-lesen-Liste. Trotzdem hat es seine Zeit gedauert, bis das Buch a) in meine Wohnung eingezogen ist und b) vom Stapel ungelesener Bücher auf den gelesenen Bücherhaufen gewandert ist.

Deswegen habe ich zuerst den Film gesehen, als er vor fast drei Jahren im Kino lief.

Ich fand ihn großartig!

Während ich das Buch gelesen habe, war ich der Meinung, dass mir der Film deutlich besser gefällt, vor allem weil es meine liebste Film-Szene, in der Jacob und Marlena Hand in Hand aus dem fahrenden Zug springen, um wegzulaufen, so in dem Buch nicht gegeben hat.

Da es auch schon wieder eine Weile her ist, seit ich den Film gesehen habe, konnte ich mich nicht mehr an alle Einzelheiten erinnern, und damit die Unterschiede zwischen Buch und Film nicht sofort ausmachen, außer eben jene Lieblingsszene.

So sah in meiner Fantasie Jacob aus wie Robert Pattinson, Marlena wie Reese Witherspoon und August wie Christoph Waltz. Auch der Zug und das Zirkuszelt sahen genauso aus wie im Film. Und Rosies Geheimnis kannte ich natürlich auch schon.

Nachdem ich das Buch gelesen habe, sah ich mir noch einmal den Film an, und muss meiner Oma Recht geben:

– ganze Figuren, die auch teilweise einen wichtigen Part einnehmen, wurden rausgeschrieben

– die Gefahr, die die ganze Zeit in der Luft schwebt, lässt sich im Film nicht richtig spüren

– Augusts Wahnsinn wird nicht in dem Maße deutlich

– die Tragik um Marlenas Leben ist viel zu kurz gegriffen

 

Fazit: Das Buch ist also viel, viel besser als der Film, obwohl dieser auch großartig ist.

 

Bewertung:

Ein schöner, flüssiger Schreibstil und eine außergewöhnliche Geschichte, die uns eine Welt zeigt, die wir so nicht kennen. Sara Gruen hat unglaubliche Recherche-Arbeit geleistet. Ebenfalls sehr eindrucksvoll war Beschreibung der Gedankenwelt eines alten Mannes.

Wer das Buch noch nicht gelesen hat: Es lohnt sich!

4 von 5 Sternen

 

Der schönste Satz:

Ich starre ihm ins Gesicht, will den Blickkontakt halten, aber das fällt schwer. Er entfernt sich immer weiter, bis ans Ende eines langen, schwarzen Tunnels, an dessen Wänden Sterne explodieren.

 

WasserfürdieElefanten_Cover

Sara Gruen

Wasser für die Elefanten

Taschenbuch, rororo

416 Seiten

ISBN: 349924845X

9,99 EUR

2 Gedanken zu “[reading] Unterwegs mit dem Zirkus

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